Die Zeitschrift kosmos wurde im Jahr 1999 mit der Zeitschrift natur vereinigt.
Genialer Name! “Natur und Kosmos” – das wäre auch ein Titel für mein großes Werk gewesen.
Statt dessen hieß es einfach “Kosmos”.
Mit dem Namen habe ich mich lange gequält. Er schien mir allzu erhaben. Deshalb habe ich entschieden, zur Erläuterung den Untertitel “Entwurf einer physischen Weltbeschreibung” dazuzunehmen.
Die “Gesellschaft der Naturfreunde Kosmos” bezog sich bei ihrer Gründung 1903 ausdrücklich auf Ihr Werk. Sie sind also unser Namenspatron.
Danke der Ehre! Wissen weiterzugeben war mir ja immer ein Herzensanliegen. Man kann sich das kaum mehr vorstellen, aber das waren sehr repressive Verhältnisse damals. Es galt geradezu als subversiv, die niederen Stände an wissenschaftlicher Bildung teilhaben zu lassen. Auch dass bei meinen öffentlichen Vorträgen, aus denen das Buch entstanden ist, so viele Frauen anwesend waren, war unerhört.
Finden Sie selbst das Werk eigentlich gelungen? Man könnte der Meinung sein, Sie haben sich damit doch ein bisschen verhoben.
Ich muss doch sehr bitten! Aber wenn Sie schon so unverblümt fragen: Natürlich war der Anspruch überzogen. “Die ganze materielle Welt, von den Nebelsternen bis zur Geographie der Moose auf den Granitfelsen”, meine Güte! Also, das Ding war eigentlich nicht zu wuppen. Aber das durfte ich keinem sagen, ich war ja praktisch schon mein eigenes Denkmal. Die Verleger haben mir die Bude eingerannt, damit ich das Buch mit ihnen mache. Und es ist ja auch ein Riesenerfolg gewesen! Allein die Erstauflage mehr als 80000 Stück, und dann ständig Neuauflagen, Taschenausgaben, Volksausgaben …
2004 ist der “Kosmos” noch mal neu aufgelegt worden, mit einem Riesen-Tamtam. Sie wurden zum Vorzeige-Gelehrten der Nation erklärt, selbst eine Fernsehmoderatorin pries Sie als Vorbild.
Na, nichts dagegen einzuwenden, wenn die Dame tatsächlich auch die eine oder andere Zeile von mir liest. Aber der Enzensberger, der das Ganze angeleiert hat, der ist mir nicht ganz koscher. Der hat schon vor 30 Jahren eine Ballade über mich geschrieben, die wenig schmeichelhaft war.
So genau verfolgen Sie noch den Lauf der Dinge?





