Fischer fand auch deutliche Unterschiede zwischen Populationen aus Ungarn und Deutschland. Die Falter in Ungarn hatten eine viel kürzere Entwicklungszeit und waren deshalb um einiges kleiner als die anderen Populationen. Warum aber nahmen sowohl die weiblichen als auch die männlichen Falter eine solche Diät auf sich, zumal sich dies nachteilig auf die Fortpflanzung auswirkt? Fischer konnte dies auf das günstigere Klima in Ungarn zurückführen. Die lange Vegetationsperiode erlaubt den Faltern, sich gleich zweimal pro Jahr fortzupflanzen, aber eben nur, wenn sie sich beeilen.
Unter optimalen Bedingungen streben Falterweibchen ein möglichst hohes Körpergewicht an, da sie so mehr Eier produzieren können. Männliche Falter bevorzugen dagegen eine schnelle Entwicklung, denn wer früh schlüpft, erhöht seine Paarungschancen erheblich. Die Körpergröße ist dabei Nebensache. Zu diesem Ergebnis kommt der Zoologe Klaus Fischer in seiner Doktorarbeit “Life-history-Plastizität in den Lebenszyklen der Feuerfalter Lycaena hippothoe und Lycaena tityrus”. Die Arbeit wird im Juni von der Deutschen Zoologischen Gesellschaft mit einem Förderpreis ausgezeichnet.
Für seine Forschungen beschäftigte sich Fischer mit zwei in Deutschland bedrohten Schmetterlingsarten, dem Lilagold Feuerfalter und dem Braunen Feuerfalter. Seine zentrale Frage war, wie sich einzelne Individuen oder eine ganze Population im Laufe der Evolution an bestimmte Umweltbedingungen anpassten. Zuchtversuche unter optimalen Bedingungen zeigten, dass weiblichen Faltern ein hohes Gewicht wichtig war, um möglichst viele Eier zu produzieren und somit den Fortpflanzungserfolg zu sichern. Die männlichen Falter dagegen waren auf eine schnelle Entwicklung bedacht und achteten nicht auf ihre Größe. Je schneller sie schlüpften, desto besser waren ihre Paarungschancen.
Birgit Kahler





