Der Meeresspiegelanstieg trifft flache Küsten und Inseln in besonderem Maße. Denn sie haben den steigenden Fluten nur wenig entgegenzusetzen. Die meisten Atolle im Pazifik und Indischen Ozean liegen nur rund einen Meter über dem Meeresspiegel und werden schon jetzt immer häufiger überspült. Klimaprognosen sagen bis Ende dieses Jahrhunderts einen globalen, mittleren Anstieg des Meeresspiegels von mehr als einem Meter aus. Für kleine Inselstaaten ist die Anpassung an diese Entwicklung daher besonders wichtig.
Doch um herauszufinden, welche Anpassungsstrategien die Küsten der Inselstaaten am besten schützen, müssen zunächst die genauen Ursachen für Schäden ermittelt werden. Denn vor allem die Erosion der Strände und Küsten beruht meist auf einem Zusammenspiel von Klima, Meer und den Eigenschaften der Küste selbst. Am Beispiel der Malediven haben deshalb Gabriel David von der Technischen Universität Braunschweig und seine Kollegen genauer untersucht, welche natürlichen oder anthropogenen Prozesse die dortige Küstenerosion verstärken. Ziel war es, Fehlentwicklungen in der Anpassung an den klimabedingten Meeresspiegelanstieg effektiver begegnen zu können.
Bauwerk hemmt natürliches Mitwachsen
Tatsächlich wurde das Team fündig: “Wir haben unter anderem herausgefunden, dass errichtete Küstenbauwerke tatsächlich in ähnlicher Größenordnung zur Küstenerosion beitragen können wie die Folgen des Klimawandels selbst”, berichtet David. Dies ist unter anderem auf der Malediven-Insel Fuvahmulah der Fall. Wie die Wissenschaftler herausfanden, unterbindet dort ein vor etwa 20 Jahren gebauter Hafen den natürlichen Sedimenttransport. Diese Sandverlagerungen tragen normalerweise dazu bei, dass die Küstenlinie von Atollen bestehen bleibt. „Eine Riff-Insel hat eigentlich recht gute Möglichkeiten der natürlichen Anpassung an steigende Meeresspiegel, wenn die vorgelagerten Korallenriffe intakt sind und der Transport beziehungsweise die Verteilung von Sedimenten natürlich ermöglicht wird“, erklärt David.
Doch der auf Fuvahmulah gebaute Hafendamm behindert diesen natürlichen Prozess und damit das “Mitwachsen” der Küste mit dem Meeresspiegel. Er hebelt die Sandversorgung aus und verhindert so den Transport und damit die natürlichen Schutzfunktionen der Insel. Nach Ansicht des Forschungsteams illustriert dies, dass die Anpassung an den Klimawandel in sensiblen Inselstaaten immer im Hinblick auf die natürlichen Gegebenheiten vorgenommen werden müssen. Falsche Entwicklungsmaßnahmen und Anpassungsstrategien könnten dagegen zu erheblichen negativen Auswirkungen führen, die sich mit den bereits stattfindenden und in Zukunft noch einmal verstärkenden Folgen des Klimawandels auf kleine Inselstaaten überlagern.





