Um dieser Frage nachzugehen, werteten Solomon Hsiang von der Princeton University und seine Kollegen Studien und andere Informationsquellen aus, die sich mit dem Zusammenhang von Klimaeffekten und menschlichem Verhalten beschäftigt haben. Sie stammten aus unterschiedlichen Themengebieten wie beispielsweise Archäologie, Wirtschaft und Psychologie. Das Zeitfenster der Daten reicht von 8.000 v. Chr. bis in die Gegenwart und spiegelt Informationen aus allen wichtigen Regionen der Welt wider. „Wir haben 60 Informationsquellen mit 45 verschiedenen Datensätzen gesammelt und die Daten und Erkenntnisse in einen gemeinsamen statistischen Rahmen gesetzt”, berichtet Hsiang.
Im Fokus der Auswertungen standen klimatische Effekte auf drei Kategorien des menschlichen Zusammenlebens. Erstens: zwischenmenschliche Gewalt – wie Mord, Körperverletzung, Vergewaltigung und häusliche Gewalt. Zweitens: Gewalt zwischen Gruppen – wie Kriege, Unruhen, ethnische Gewalt und Landbesetzungen. Und drittens: politische Instabilität – wie abrupte Veränderungen in staatlichen Institutionen oder der Zusammenbruch ganzer Zivilisationsformen. Konkrete Beispiele für die Kategorien sind Daten über häusliche Gewalt in Indien und Australien; vermehrte Überfälle und Morde in den USA und Tansania; ethnische Gewalt in Europa und Südasien; Landbesetzungen in Brasilien; Polizeigewalt in Holland; zivile Konflikte in den Tropen und der Zusammenbruch der Maya-Kultur beziehungsweise chinesischer Herrscher-Dynastien.
Buchstäblich gewaltiger Klimawandel
Bei allen untersuchten Teilbereichen stellten die Wissenschaftler einen statistischen Zusammenhang zu höheren Temperaturen und extremen Niederschlägen fest. Die Auswertungen deckten ihnen zufolge außerdem weltweit ähnliche Muster von Konflikten im Rahmen klimatischer Veränderungen auf. Vor diesem Hintergrund erscheine nun der Blick in die Zukunft besonders alarmierend: Unterm Strich könnte das erhöhte Konfliktpotential als Folge der Klimaerwärmung die Entwicklung der Menschheit auf unserem Planeten deutlich negativ beeinflussen. Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass ein globaler Temperaturanstieg von zwei Grad Celsius bis zum Jahr 2050 die Rate von Konflikten wie beispielsweise von Bürgerkriegen in vielen Teilen der Welt um mehr als 50 Prozent erhöhen könnte. Die Forscher räumen allerdings ein, dass nicht klar sei, wie Menschen in modernen Kulturen auf steigende Temperaturen und variable Niederschläge reagieren: „Es ist möglich, dass zukünftige Gesellschaften besser damit zurechtkommen – ich hoffe, dass das so sein wird”, sagt Co-Autor Edward Miguel von der University of California in Berkeley.





