Aids-Experten haben davor gewarnt, Medikamente zur Behandlung der tödlichen Immunschwäche zu überschätzen. “Das Vorhandensein von Medikamenten bedeutet nicht Heilung”, sagte der Vize-Präsident des 8. Deutschen Aids-Kongresses, Keikawus Arasteh, am Montag in Berlin. Die Medikamenten-Cocktails hätten zum Teil auch erhebliche Nebenwirkungen. “Das wird von vielen Jugendlichen verkannt.” Der viertägige Aids-Kongress beginnt am Mittwoch in Berlin.
In Europa und den USA mache sich “eine neue Sorglosigkeit breit”, warnte Bernd Schwartländer von der UN-Anti-Aidsorganisation Unaids (Genf). Unter anderem sei dies an den wieder steigenden Zahlen für Geschlechtskrankheiten abzulesen. Die Gonorrhoe-Fälle (Tripper) in San Francisco (USA) hätten sich beispielsweise zwischen 1994 und 1999 auf 44 pro 100000 Einwohner verdoppelt.
“Aids ist nicht unter Kontrolle, wir müssen weiterhin etwas tun”, sagte Schwartländer. Nur in West-Europa und den USA seien die Zahlen der Infizierten und Erkrankten stabil. In Russland hingegen sei die Zahl registrierter Infektion von 15 000 in 1999 auf 55 000 im vergangenen Jahr explodiert. In der Ukraine wurden vor 1995 noch so gut wie keine Infektionen verzeichnet. Seitdem wurden dort jedoch 20 000 Neuinfektionen diagnostiziert.
Neben Behandlungsstrategien steht die Ausweitung der HIV- Infektionen in Osteuropa im Zentrum des viertägigen Kongresses. Der von Selbsthilfegruppen neu gegründete Verein “connect plus” will mit Hilfe eines Fachkräfteaustauschs die deutschen Erfahrungen mit Aids an osteuropäische Länder weitergeben. Das berichtete Sprecher Frieder Alberth. Die Erlöse des Aids-Galaabends am Freitag in Berlin sollen dem Verein zugute kommen.
Schon im Vorfeld des Kongresses wurde eine bundesweite Anzeigenkampagne “Vergessen ist ansteckend” gestartet. Zusätzlich mit Plakaten und einem Internetauftritt soll am Reminders Day (Erinnerungstag) am kommenden Freitag an die Gefährlichkeit der Immunschwächekrankheit erinnert werden. Preisträgerin des ersten deutschen “Reminders Day” am 6. Juli wird die Berliner Künstlerin Irina Pabst sein. Sie organisiert seit acht Jahren die jährlichen große Aids-Gala in der Deutschen Oper Berlin.
dpa





