Experten haben schon seit Monaten in Fachkreisen vor den gefährlichen Nebenwirkungen von Lipobay gewarnt. Bereits im März sei im «Arznei-Telegramm» – einem Informationsdienst für Ärzte – eine entsprechende Warnung veröffentlicht worden, sagte Mitherausgeber Prof. Peter Schönhöfer aus Bremen am Montag. Anlass sei unter anderem ein Bericht über Nebenwirkungen der australischen Gesundheitsbehörde gewesen. «Es gibt gleichwirksame Cholesterin senkende Mittel mit weniger Nebenwirkungen.»
Schwere Nebenwirkungen von Arzneimitteln sind allgemein keine Seltenheit. Insgesamt sterben nach Schönhöfers Angaben in Deutschland etwa doppelt so viele Menschen an Nebenwirkungen von Arzneimitteln wie im Straßenverkehr. Nach einer von Schönhöfer im Herbst 2000 veröffentlichten Studie gibt es mindestens 200 000 schwere Fälle von Medikamenten-Nebenwirkungen pro Jahr, 12 000 bis 16 000 davon enden tödlich. Das Statististische Bundesamt zählte im vergangenen Jahr 7487 Verkehrstote.
Schönhöfer, früher Direktor des Instituts für Klinische Pharmakologie am Zentralkrankenhaus Bremen, hatte die Bremer Daten mit internationale Studien verglichen. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern und den USA belege Deutschland einen mittleren Platz, sagte er. Mehr als ein Drittel der durch Arzneimittel bedingten Todesfälle könne durch Aufklärung und sachgerechte Medikamenten-Auswahl vermieden werden.
Kritik übte Schönhöfer an fehlenden Langzeitstudien. Dies gelte nicht nur im Fall von Lipobay, sondern auch für andere Medikamente. «Bei Langzeittherapien muss man Langzeitstudien haben, und für die Zulassung keine Kurzzeitstudien zu Grunde legen.» Vor allem aber müsse die Qualität der Studien auf den Nutzen für den Patienten ausgerichtet sein. «Die entscheidende Frage ist, lebt der Patient länger und in vernünftiger Form.» Die Risiko/Nutzen-Abwägung müsse immer positiv für den Patienten ausfallen.
dpa





