Experten haben einen bewussteren Umgang mit Antibiotika gefordert. Gebraucht würde ein besseres Bewusstsein über Antibiotika nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch bei den Ärzten, sagte Professor Bernd Wiedemann vom Institut für Medizinische Mikrobiologie der Universität Bonn am Dienstag auf der regelmäßig stattfindenden Bonner Wissenschafts-Pressekonferenz. Es sei wichtig, dass die Indikation von Antibiotika, die zur Behandlung von Erkrankungen notwendig sind, individueller abgestimmt werde.
Als Problem werteten die Forscher den Anstieg von Antibiotika resistenten Bakterien. Vorläufige Entwarnung gaben die Experten bei in Wasser und Abwasser vorkommenden Antibiotika-Resten. Die Konzentrationen seien für Resistenzbildungen zu niedrig, hieß es.
Umstritten sei der Einsatz von Antibiotika insbesondere in der Tiermast als so genannte Leistungsförderer, sagte Andrea Wenzel vom Fraunhofer- Institut für Umweltchemie und Ökotoxologie Schmallenberg. Antibiotika seien eine Quelle für resistente Keime, die über den Stoffwechselkreislauf wieder in die Umwelt gelangen können.
Antibiotika seien insgesamt durchaus unverzichtbar, sagten die Forscher. Angewendet werden sie in der Human- und Tiermedizin, in der Tierproduktion und beim Pflanzenschutz. Nach Schätzungen wurden 1997 von mehr als 100 000 Tonnen Wirkstoff etwa die Hälfte in der Humanmedizin, ein Drittel in der Veterinärmedizin und 15 Prozent in der Tierproduktion genutzt.
Nach Worten von Thomas Ternes, ESWE-Institut für Wasserforschung und Wassertechnologie GmbH Wiesbaden, sollten auf Arzneipackungen Hinweise zur Entsorgung von Medizin stehen. Bei Grundwasser- Untersuchungen nahe einer Mülldeponie seien unter anderem Schmerzmittel nachgewiesen worden, sagte er. Arzneimittel müssten über Verbrennungsanlagen und nicht über den Hausmüll entsorgt werden. Zudem seien dringend Technologien notwendig, die solche Stoffe bereits in der Abwasserreinigung entfernten.
Die Experten rieten zum vorsichtigen Umgang mit Antibiotika. So sollten beispielsweise Leistungsförderer in der Tiermast reduziert und auch bei Klärwerken Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden.
dpa





