Die vollen Auswirkungen des Rinderwahnsinns BSE werden Forschern zufolge noch lange im Unklaren bleiben. “Es wird noch Jahrzehnte dauern, bis wir wissen, was BSE beim Menschen macht”, sagte Robert Will vom Western General Hospital in Edinburgh am Dienstag auf dem Weltkongress für biologische Psychiatrie in Berlin. Entsprechend weit auseinander gehen Schätzungen, wie viele Fälle der neuen Variante der Creutzfeld-Jakob-Erkrankung (vCJD) durch BSE ausgelöst werden könnten.
Hochrechnungen zufolge waren zunächst für Großbritannien auf Grund der BSE-Seuche 70 bis 136.000 vCJD-Fälle erwartet worden. “Die 70 wurde bereits überschritten”, sagte Will. In Großbritannien wurden bislang 102 Fälle diagnostiziert. In Frankreich gebe es 3 vCJD-Fälle, keiner von diesen Betroffenen hätte je Großbritannien besucht. Irland und Hongkong verzeichneten jeweils einen Fall, wobei der betroffene Hongkonger sich mehrere Jahre in Großbritannien aufgehalten habe. In Deutschland rechnen Experten mit bis zu 15 vCJD-Fällen durch die BSE-Krise.
Unterdessen hat sich unter den Wissenschaftlern die Meinung durchgesetzt, dass der Rinderwahnsinn durch ein infektiöses Prion ausgelöst wird, sagte Konrad Maurer vom Institut für Psychiatrie der Universität Frankfurt am Main. Die Theorie von BSE als einer Virus-Erkrankung werde nicht weiter verfolgt. Warum sich harmlose Proteine in gefährliche Prionen verwandeln sei aber nach wie vor unklar.
Mehrere hunderte Psychiater informierten sich auf dem Kongress über BSE und die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit. Die allermeisten CJD- Erkrankten zeigten im Anfangsstadium neurologische Symptome, wie Depression, Unruhe und Rückzug, betonte Herbert Budka von der Universität Wien.
dpa