Bei Experimenten an einem hirntoten Patienten haben Forscher Hinweise gefunden, wie sich Medikamente gezielt in krankes Gewebe schleusen ließen. Über die Arbeiten berichtet das internationale Forscherteam, darunter auch Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik in Berlin, im Fachmagazin “Nature Medicine” (Bd. 8, S. 121).
Bevor die lebenserhaltenden Apparate abgestellt wurden, spritzten Forscher einem hirntoten Krebsopfer rund eine Milliarde verschiedener Eiweiße ein. Nach einer Viertelstunde entnahmen die Mediziner dem 48-jährigen Mann Gewebeproben aus verschiedenen Organen und stellten die Apparate ab. In den Proben suchten die Wissenschaftler dann nach den eingespritzten Eiweißen.
Dabei interessierten sie sich vor allem für Eiweiße, die nur in ganz bestimmte Gewebe wanderten. Gekoppelt an solche Proteine könnten Ärzte Medikamente gezielt etwa in Tumorgewebe schicken. Gesunde Organe blieben dann von den Wirkstoffen unberührt und Nebenwirkungen würden beinahe ausbleiben, so das Ziel der Forschungsarbeiten.
Das Team fand mehrere vielversprechende Eiweiße. Eines etwa wandert in der Blutbahn ausschließlich in Prostatagewebe. Ein anderes dagegen reicherte sich in der Haut an. Das Fernziel dieser Arbeiten sei eine Karte, die zeigt, welche Eiweiße in welches Gewebe wandern, schreiben die Forscher. Sie befürchten jedoch, dass die Forschungen nur schleppend vorankommen, da viele Mediziner Experimente an hirntoten Patienten meiden würden. Versuche an Tieren dagegen seien nur teilweise auf den Menschen anwendbar.
ddp/bdw – Marcel Falk





