Um den Klimawandel zu bremsen und damit auch die Klimafolgen möglichst in erträglichem Maß zu halten, ist eine drastische Dekarbonisierung in vielen Wirtschaftsbereichen nötig. Prognosen zufolge kann Europa seine Klimaschutzziele aber nur erreichen, wenn diese Transformation deutlich mehr Fahrt aufnimmt als bisher. Die EU hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, schon im Jahr 2030 rund 55 Prozent weniger klimarelevante Emissionen zu erzeugen als noch 1990. Doch dafür ist es nötig, auch entsprechend viel Geld in die Hand zu nehmen: Für die Stromerzeugung, die Stromnetze, Speicherkapazitäten und andere klimarelevante Infrastrukturen sind erhebliche Investitionen erforderlich. Wie hoch diese Investitionen aber in den nächsten 15 Jahren ausfallen müssen und welche Bereiche dabei am wichtigsten sind, war bislang erst in Teilen geklärt.
87 Milliarden Euro mehr pro Jahr nötig
Deshalb haben Bjarne Steffen und Lena Klaaßen von der ETH Zürich nun im Rahmen einer Metastudie untersucht, welche Geldsummen für den Technologiewandel und die Transformation der europäischen Infrastruktur nötig sind. “Um Netto-Null-Emissionen bis 2050 zu erreichen, muss massiv in eine kohlenstoffarme Infrastruktur investiert werden, vor allem im Energie- und Transportsektor”, erklären sie. “Entscheider sind daher mit der dringenden Notwendigkeit konfrontiert, Finanzströme entsprechend umzuleiten.” Um herauszufinden, wo dabei der dringendste Bedarf besteht und wie hoch die nötigen Geldsummen sind, haben Steffen und Klaaßen 628 Zeitreihen aus 56 in den letzten Jahren erschienen Studien ausgewertet, darunter 18 Fachpublikationen, 15 Studien von Regierungen oder internationalen Organisationen und 23 aus der Industrie. In diesen wurde jeweils für verschiedenen Bereiche untersucht, welche jährlichen Investitionen bis zum Jahr 2035 nötig sind und welche Veränderungen finanziert werden müssen.
Die Auswertungen ergaben, dass die bisherigen Investitionen in grüne Infrastruktur in Europa nicht ausreichen, um das anvisierte Klimaschutzziel zu erreichen. Stattdessen müssen die Investitionen in grüne Infrastruktur deutlich zunehmen – und das ab sofort: “Der größte Sprung in den Investitionen muss schon in der Zeit von 2021 bis 2025 erfolgen”, berichten die Forschenden. Erforderlich wäre demnach eine sofortige Steigerung der bisherigen Investitionen auf 302 Milliarden Euro jährlich. Dies repräsentiert einen Anstieg um 41 Prozent gegenüber bisherigen Werten. Anders ausgedrückt: Bisher investieren die europäischen Länder insgesamt 87 Milliarden Euro pro Jahr zu wenig in eine klimaverträgliche Umgestaltung ihrer Infrastrukturen, wie das Team erklärt. Ab 2030 wird zudem ein zweiter Investitionssprung nötig, bei dem noch einmal rund 14 Prozent mehr Geld in die grüne Infrastruktur fließt.





