Text: Oliver Abraham
In Deutschlands Flüssen gab es einst etwas sehr Wertvolles. Versteckt, verborgen und so begehrt, dass nur der König diesen Schatz haben durfte: Perlen. Millionen der Flussperlmuschel Margaritifera margaritifera lebten früher in heimischen Gewässern. Teils existierte die Muschel sogar, ohne dass die Bevölkerung überhaupt davon wusste: „Perlenvorkommen im sächsischen Vogtland wurden einer Erzählung nach erst im 14. Jahrhundert von venezianischen Bergleuten auf der Suche nach Bodenschätzen entdeckt. Von ihren Reisen und durch Berichte aus Fernost wussten sie, dass nicht nur das Meer, sondern auch Flüsse perlentragende Muscheln haben können. Vorher hatte man im Vogtland davon entweder nicht gewusst oder ihren Wert nicht realisiert“, erzählt die Ethnologin Sarah Kaiser. Sie arbeitet im vogtländischen Perlmutt- und Heimatmuseum Adorf. Damals gab es im Vogtland reiche Bestände an Flussperlmuscheln in der Weißen Elster und ihren Nebenflüssen und -bächen. Das bedeutete aber nicht, dass Perlen der allgemeinen Bevölkerung zugänglich waren. Vom 17. bis ins 20. Jahrhundert waren das Ernten und der Handel von Perlen aus Flussperlmuscheln Hoheitsrecht. Nur der Kurfürst – ab 1806 der König – von Sachsen durfte sie überhaupt besitzen und mit ihnen handeln. Ähnlich war es auch im benachbarten Bayern und Böhmen. Wer beim Perlenfischen erwischt wurde, dem konnte damals zur Strafe die Hand abgehackt werden, hieß es. „Wir haben aber keine Belege darüber, dass das auch wirklich passiert ist“, so Kaiser. „Einzelne Berichte sprechen von Gefängnisstrafen. Wir haben in unserem Museum auch nur eine einzige, in einen Goldring gefasste, Perle. Alle anderen gingen ja nach Dresden – was das Königshaus mit ihnen machte, wohin die Perlen verkauft und verschenkt wurden, lässt sich heute nur schwer nachvollziehen.“





