Erfunden hat Brundtland die „nachhaltige Entwicklung” damit aber nicht.
Nein. Da muss das Konzept von nachhaltiger Waldwirtschaft genannt werden, wie es der sächsische Oberberghauptmann Carl von Carlowitz im Jahr 1713 beschrieben hat. Danach beruht eine nachhaltige Forstwirtschaft auf dem Grundsatz, dass in einem Jahr nur so viel Holz geschlagen werden soll, wie für eine „hiebsreife Menge” wieder nachwachsen kann.
Warum bieten Sie ein Studium „Nachhaltigkeit und Journalismus” an? Ist das Wort Nachhaltigkeit nicht schon genug strapaziert?
Strapaziert ist das Wort dadurch, dass es häufig nicht eindeutig verwendet wird. Problematisch ist auch, dass zukunftsrelevante Schlüsselfragen oft nur punktuell, ausschnitthaft und unverbunden behandelt werden. Die Idee der Nachhaltigkeit bietet einen Rahmen an, in dem wir konstruktiv über die Gestaltung unserer Welt nachdenken können – hierfür braucht es qualifizierte Journalistinnen und Journalisten.
Um was geht es in Ihrem Zertifikatsprogramm?
Nachhaltigkeitsjournalismus zeichnet sich dadurch aus, dass er ressortübergreifend Zusammenhänge aufzeigt. Er nimmt Gerechtigkeits- und Beteiligungsfragen in den Blick und ist transformativ ausgerichtet. Dafür braucht es Journalisten und Journalistinnen, die über fundiertes Sachwissen verfügen und einen Überblick über die Diskussion und die Akteure im Feld haben. Ein so verstandener Nachhaltigkeitsjournalismus fordert aber auch einen Wechsel im beruflichen Selbstverständnis vieler Journalisten heraus: weg vom mahnenden Chronisten des Untergangs, hin zum Mitgestalter einer nachhaltigen Zukunft. Wir wollen mit dem Angebot auf keinen Fall ein neues Themensegment des Fachjournalismus’ eröffnen und ein Ressort Nachhaltigkeit schaffen. Vielmehr sind Nachhaltigkeitsjournalisten Vermittler zwischen den Ressorts in den verschiedenen Medien.
Entspricht Ihr Angebot einem Trend? Oder sind es doch nur vereinzelte Projekte, die Medienhochschulen derzeit zu grünen Themen starten?
Bemerkenswert ist, dass das Interesse an grünen Themen generell wächst. Dieses wachsende Interesse wird aber bislang nur punktuell aufgegriffen. Abgesehen von vereinzelten Veranstaltungen oder Projekten gibt es bislang keine dauerhaft angelegte Initiative, um eine Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeitsfragen in den Medien voranzubringen.
Lassen Sie uns noch genauer über die Begriffe reden. Kaum ein Wort ist für viele Menschen so unscharf geworden wie Nachhaltigkeit. Wie erklären Sie das Konzept einer nachhaltigen Entwicklung in einfachen Worten?
Im englischsprachigen Raum gibt es dazu eine gute und knappe Formulierung: Genug, für alle, für immer. Sie bringt zum Ausdruck, dass es an vielen Orten unserer Erde nicht genug gibt, wenn wir nur an die hungernden Menschen denken. Und daran, dass der Zugang zu und die Nutzung von Rohstoffen und Ressourcen ganz allgemein sehr ungleich verteilt sind, wenn wir zum Beispiel an Energie oder Wasser denken. Oder dass wir auf Kosten künftiger Generationen leben, wenn wir uns den Klimawandel vor Augen halten. Nachhaltige Entwicklung weist einen Weg heraus aus diesem Teufelskreis, macht aber zugleich die Komplexität der Zusammenhänge deutlich.




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