Ob in der Tundra Sibiriens, im Norden Kanadas oder in Alaska: In der Arktis brennt es immer häufiger. Einmal ausgebrochen, können solche Tundrafeuer monatelang brennen und selbst im Winter unter der Schneedecke weiterschwelen. Sie setzen große Mengen CO2 frei, das zuvor im dauerhaft gefrorenen Boden des Permafrosts gespeichert war. Die Auswirkungen der arktischen Brände spüren wir manchmal sogar in Europa. So überquerten nach den Großbränden im Norden Kanadas im Jahr 2025 Rauchwolken den Atlantik und waren auch bei uns zu sehen.
Aber warum brennt es in der Arktis immer häufiger? Bislang konzentrierten sich großangelegte Studien zu Feuern in der arktischen Tundra vor allem auf steigende Temperaturen und Dürre als Hauptursachen. Die Rolle menschlicher Aktivitäten fand hingegen weniger Beachtung, obwohl sich industrielle Anlagen, Siedlungen, Straßen und andere Infrastruktur insbesondere im Zuge der Öl- und Gasförderung sowie des Bergbaus in vielen Teilen der Arktis ausgebreitet haben.
Künstliches Licht als Indikator für menschliche Aktivitäten
Ein internationales Forscherteam um Cengiz Akandil von der Universität Zürich hat nun erstmals für den gesamten Arktisraum untersucht, ob menschliche Aktivitäten mit dem Auftreten von Bränden zusammenhängen. Die Forschenden nutzten als Indikator für menschliche Aktivitäten Satellitenaufnahmen von künstlichem Licht bei Nacht. Denn dort, wo sich Siedlungen oder Industrieanlagen befinden, ist dies auch aus dem Orbit an der Beleuchtung zu erkennen. Akandil und sein Team verglichen die Brandhäufigkeit in solchen beleuchteten Gebieten und deren naher Umgebung mit klimatisch ähnlichen, aber unbeleuchteten Regionen im Zeitraum von 2001 bis 2013.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass in der Arktis Brände in beleuchteten Gebieten 2,5-mal häufiger auftraten als in klimatisch ähnlichen, unbeleuchteten“, berichtet Akandil. „Auch in der Nähe von beleuchteten Gebieten waren sie häufiger, was auf einen starken räumlichen Zusammenhang zwischen menschlichen Aktivitäten und dem Auftreten von Bränden hinweist.“ Nähere Analysen ergaben, dass ein Großteil der Tundrabrände in unmittelbarer Nähe von Straßen ausbrach, rund 17 Prozent ereigneten sich in der Nähe von Erdöl- oder Erdgaspipelines oder Förderanlagen und weitere rund sieben Prozent im Umfeld von Siedlungen.

Geografische Verteilung von Bränden (rot) und durch menschliche Aktivitäten beleuchtete Flächen (gelb) in der europäischen Arktis 2001–2013. — © Nils Rietze/ Universität Zürich; ArcGIS Pro
Unterschiede in der Brandverhütung und -bekämpfung
Wie oft es im Umfeld der von Menschen geprägten Gebiete brennt, ist jedoch regional sehr unterschiedlich. So gab es im Öl- und Gasfördergebiet an der Prudhoe Bay in Alaska von 2001 bis 2013 keinen einzigen größeren Brand. In den Vankor-Ölfeldern in Russland brachen dagegen in derselben Zeit 40 Brände aus, wie das Team ermittelte. Ein möglicher Grund dafür sind Unterschiede bei der Brandprävention und -bekämpfung. „Eine bessere Brandverhütung und ein besseres Brandmanagement rund um Siedlungen, Industriestandorte, Straßen und andere beleuchtete Gebiete könnten helfen, die Entzündungsrisiken zu verringern und Schäden zu begrenzen“, erklärt Akandil.
Wie die Forschenden betonen, bedeuten ihre Ergebnisse nicht, dass menschliche Aktivitäten allein für arktische Brände verantwortlich sind. Temperatur, Feuchtigkeit und Dürre bleiben wichtige Einflussfaktoren. Dennoch spielt die menschliche Nutzung der Landschaft eine Rolle. „Da die Erschließung der Arktis voranschreitet und die klimatischen Bedingungen immer brandgefährlicher werden, wird es immer wichtiger, die Brandprävention in die Raumplanung, den Industriebetrieb und die Strategien zum Schutz von Siedlungen zu integrieren“, sagt Co-Autorin Gabriela Schaepman-Strub.
Brände bedrohen arktische Natur und verstärken den Klimawandel
Die zunehmenden Brände bedrohen die Ökosysteme der Arktis und damit auch die Lebensgrundlagen, die Gesundheit und die Lebensweise der Menschen vor Ort. „Die durch den Menschen verursachten Brandgefahren zu verringern, ist nicht nur für den Schutz der Infrastruktur wichtig, sondern auch für die Stärkung der Widerstandsfähigkeit und Sicherheit arktischer Gemeinschaften“, sagt Schaepman-Strub.
Zudem können die Brände den Klimawandel weiter anheizen, weil sie den im Boden gespeicherten Kohlenstoff freisetzen, das Auftauen des Permafrosts beschleunigen und damit die Tundra langfristig anfälliger für weitere Brände machen. Das erhöhte Brandrisiko in der Arktis durch den Menschen ist damit auch ein globales Thema.
Quelle: Universität Zürich. Fachartikel: Communications Earth and Environment. doi: 10.1038/s43247-026-03884-3





