Bisher wurde nie zweifelsfrei bewiesen, dass ein Säugetier aus einer voll entwickelten Körperzelle geklont werden kann. Der Einwand, das verwendete genetische Material könnte vielleicht doch einer adulten Stammzelle entnommen worden sein, war bei den bisherigen Klonierungsexperimenten nicht auszuschließen. Jetzt ist amerikanischen Wissenschaftlern erstmals das Klonen von Mäusen aus reifen Lymphozyten gelungen. Deren genetisches Material lässt sich in den Zellen daraus geklonter Tiere eindeutig nachweisen. Über ihre Experimente berichten die Forscher des Massachusetts Institute of Technology in einer Online-Publikation des Fachblatts Nature.
Konrad Hochedlinger und Rudolf Jaenisch wählten zwei Typen von Immunzellen, B- und T-Lymphozyten von Mäusen, als Ausgangsmaterial für ihre Klonierungsversuche. In diesen Zellen werden im Verlauf ihrer Entwicklung von Stammzellen zu reifen Immunzellen bestimmte Genabschnitte neu angeordnet, so dass sich ihr genetisches Material eindeutig von dem anderer Körperzellen unterscheidet. Reife Immunzellen tragen gewissermaßen eine natürliche genetische Markierung. Ein aus dem Zellkern dieser Zellen hervorgegangener Klon ist daher durch eine DNA-Analyse eindeutig identifizierbar.
Die Wissenschaftler erreichten ihr Ziel in zwei Schritten. Zunächst reprogrammierten sie das Erbgut der Lymphozyten, indem sie deren Zellkerne in entkernte Eizellen übertrugen und daraus embryonale Stammzellen erzeugten. Von insgesamt tausend Versuchen gelang das in zwei Fällen. Im zweiten Schritt wurden diese Stammzellen in separat erzeugte so genannte Wirts-Blastozysten, das sind frühe Embryonen, übertragen. Nach Transfer in die Gebärmutter bildeten sich aus den Wirtszellen die Plazenta, aus den klonierten Zellen entstand der Embryo. Auf diese Weise wurden mehr als dreißig Mäuse geklont und lebendig geboren. “Das ist ein eindeutiger Nachweis, dass völlig ausdifferenzierte Zellen so reprogrammiert werden können, dass aus ihnen ein kloniertes Tier entstehen kann”, schreiben die Forscher.
Frühere Versuche, auf direktem Weg aus Lymphozyten Mäuse zu klonen, sind fehlgeschlagen. Auch mit der jetzt erfolgreich angewandten indirekten Methode war die Klonierungseffizienz zehnmal niedriger als bei Verwendung anderer Ausgangszellen. Das könnte daran liegen, so die Wissenschaftler, dass die genetische Reprogrammierung bei Lymphozyten besonders schwierig ist.
Joachim Czichos




