Bonobos sind neben Schimpansen unsere engsten Verwandten. Anders als sie leben sie allerdings ausschließlich in der Demokratischen Republik Kongo und zwar vor allem im Salonga-Nationalpark. Dieser ist so groß wie die Schweiz und damit das größte Waldschutzgebiet in ganz Afrika. Die Bonobos finden dort Schutz vor Wilderei und Lebensraumverlust. Doch wie viele der stark gefährdeten Bonobos genau im Salonga-Nationalpark leben, war lange unklar.
„Es kursierte eine alte Zahl, aber das war eine Annahme, die auf Erhebungen basierte, die weniger als zwanzig Prozent des gesamten Parks abdeckten“, sagt Barbara Fruth vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie. Dabei wäre es wichtig, die Bonobo-Zahlen im gesamten Park zu kennen: „In diesem riesigen Land bietet nur Salonga die Möglichkeit, Trends zu modellieren und zu beurteilen, ob die Bonobo-Population im Kongo zurückgeht oder nicht.“
Alle Erhebungen unter einem Hut
Fruth und ihre Kollegen haben die Größe der Bonobo-Population im Salonga-Nationalpark daher nun so genau ermittelt wie nie zuvor. Dafür fasste das Team 13 Erhebungen von 2002 bis 2018 zusammen, die sich mit der Zählung der Bonobos im Salonga-Nationalpark beschäftigt hatten. Darin kamen verschiedene Zählmethoden wie Aufnahmen von Wildtierkameras, das Zählen von Nestern der Bonobos und Erkundungswanderungen zum Einsatz.
Die Auswertung zeigt: Im Salonga-Nationalpark leben etwa 8.000 bis 18.000 erwachsene Bonobos. Die Größe der Population ist seit dem Jahr 2000 etwa gleich groß geblieben. Dennoch stellte das Team fest, dass Dichte und Verteilung der Menschenaffen abnehmen. „Das bedeutet, dass die Bonobos dort nicht unmittelbar bedroht sind, aber wir müssen wachsam bleiben und weiterhin in Naturschutzbemühungen investieren, wenn wir ihr Überleben sichern wollen“, mahnt Erstautor Mattia Bessone von der Liverpool John Moores University.
Gefürchtete und geschätzte Menschen
Besonders wichtig für den Erhalt der stark gefährdeten Bonobos ist der Wald, in dem sie leben. Der Nationalpark ist jedoch durch einen 9.000 Quadratkilometer großen Korridor, der von Menschen bewohnt ist, in zwei Teile geteilt. Die Menschenaffen halten sich von diesen Siedlungen und Dörfern der Menschen fern, wie das Forschungsteam herausfand. Ganz skeptisch gegenüber Menschen sind sie jedoch auch nicht. Sie halten sich zum Beispiel häufiger in der Nähe der Rangerposten auf. „Wir können nicht sagen, was die Ranger konkret tun, dass wir diesen Effekt sehen“, erklärt Bessone. „Aber es könnte sein, dass Ranger eine mögliche Abschreckung für Wilderer darstellen. Was auch immer der Grund ist, es ist klar, dass allein die Anwesenheit dieser Wachposten einen positiven Einfluss auf die Bonobopräsenz hat.“





