Es gibt wohl kaum zwei Gruppen an Wirbeltieren, die unterschiedlicher anmuten: Die einen schwerfällig, erdverbunden und hart gepanzert, die anderen beweglich, leicht und in ein luftiges Federkleid gehüllt. Und doch sind Schildkröten und Vögel eng miteinander verwandt. Das haben die genetischen Untersuchungen unter der Leitung von Naoki Irie vom japanischen Riken Center for Developmental Biology nun klar belegt.
Unter Evolutionsbiologen waren die genauen Verwandtschaftsverhältnisse bisher umstritten. Viele hielten Schildkröten für besonders primitive Reptilien. Jetzt müssen die Lehrbücher und die evolutionären Stammbäume der Wirbeltiere umgeschrieben werden. Vor etwa 280 Millionen Jahren entwickelte sich aus den Ur-Reptilien eine neue Wirbeltiergruppe: die Stammeltern von Sauriern, Vögeln, Krokodilen und Schildkröten. Ungefähr 20 bis 30 Millionen Jahre später entstanden aus ihnen die Ur-Schildkröten, möglicherweise zur Zeit des großen Massensterbens am Ende des Perm, bei dem 80 Prozent aller Landtierarten ausstarben.
Unklar ist, wie sich die Biologen bei der Neuklassifizierung der Wirbeltiere entscheiden. Entweder behalten sie den Namen „ Reptilien” bei und erweitern diese Klasse um die Vögel – oder sie kreieren zwei neue Klassen: die „Schuppenkriechtiere” (Schlangen, Eidechsen) und die „Saurierverwandten” (Schildkröten, Krokodile, Vögel). Zu den Saurierverwandten würden auch die ausgestorbenen Dinosaurier gehören.





