Im Jahr 2013 trat eine neue Krankheit bei Seesternen auf. Die Meerestiere werden durch die Infektion ausgezehrt, ihr Gewebe schmilzt förmlich und zerfällt innerhalb von zwei Wochen, daher wird sie „Seestern-Auszehrungskrankheit“ (SSWD) genannt. Betroffen sind mindestens 20 der über 1900 Seesternarten weltweit. Die Krankheit grassiert vor allem in Populationen entlang der Pazifikküste Nordamerikas, von Mexiko bis Alaska. Milliarden Seesterne sind dem unbekannten Erreger bereits zum Opfer gefallen.

Diese Epidemie hat die marinen Ökosysteme im Pazifik aus dem Gleichgewicht gebracht. Denn ohne die räuberischen Seesterne konnten sich ihre bevorzugten Beutetiere schnell ausbreiten: die Seeigel. Diese ernähren sich von Seetangwäldern, fressen sie kahl und rauben somit wiederum tausenden anderen Meeresbewohnern ihren Lebensraum. Das hat Folgen für die Fischerei. Zudem fehlen die Seetangwälder dann als natürliche CO2-Speicher und für den Küstenschutz. „Das hat weitreichende Auswirkungen auf alle anderen Meeresarten und die Menschen, die auf den Seetang angewiesen sind. Der Verlust eines Seesterns geht also weit über den Verlust dieser einzelnen Art hinaus“, sagt Melanie Prentice von der University of British Columbia in Vancouver.
Auslöser ist ein Bakterienstamm
Nach jahrelanger Suche hat das Team um Prentice jetzt den Krankheitserreger identifiziert. Dafür führten die Biologen verschiedene Experimente mit wilden und im Labor gezüchteten Sonnenblumen-Seesternen (Pycnopodia helianthoides) durch. Diese Art hat 24 Arme und wird so groß wie ein Fahrradreifen. Durch die SSWD-Epidemie ist sie inzwischen vom Aussterben bedroht. In den Tests setzten Prentice und ihre Kollegen die Seesterne probeweise mit kontaminiertem Gewebe oder Körperflüssigkeit von kranken Individuen aus. Anschließend untersuchten sie das Gewebe der Seesterne sowie deren blutähnliche Körperflüssigkeit und verglichen die DNA in den Proben mit denen von gesunden Kontroll-Seesternen. Daraus schlossen sie, welche Arten von Mikroorganismen auf den gesunden und kranken Seesternen leben.






