Aravinda M. de Silva und seine Kollegen von der University of North Carolina haben eine wichtige Entdeckung für die Entwicklung eines wirksameren Impfstoffs gegen die Lyme-Borreliose gemacht. Sie konnten nachweisen, dass sich die Zusammensetzung der Zellhülle von Borrelien im Darm der Zecke durch die Blutaufnahme verändert, berichtet das Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences.
Die Lyme-Borreliose wurde als Gruppenerkrankung 1976 in Lyme/Connecticut erstmals beschrieben. Es handelt sich um eine durch Zecken der Gattung Ixodes übertragene, in verschiedenen Stadien verlaufende, chronische Infektionskrankheit, hervorgerufen durch Borrelia burgdorferi.
Eine erfolgreiche Impfung gegen eine Borrelieninfektion beruht darauf, dass Immunmoleküle, so genannte Antikörper, gegen Oberflächenproteine der Erreger gebildet werden. Bisher hatte man geglaubt, dass es zwei verschiedene Sets von Hüllproteinen gibt: eines für das Leben in der Zecke und ein zweites für das im Säugerblut. Doch die Wirklichkeit ist komplizierter.
“Wenn die Zellhülle aller in den Wirt eindringenden Bakterien die gleiche Zusammensetzung aufweisen würde, wäre es für das Immunsystem leicht, die Infektion zu kontrollieren. Und es wäre leicht, Impfstoffe zu entwickeln”, sagt de Silva.
Tatsächlich verändert sich noch während der drei- bis fünftägigen Blutaufnahme im Darm der Zecke die davor relativ gleichartige Zusammensetzung der Zellhüllen einzelner Bakterien. So gelangt ein heterogenes Gemisch verschiedener Varianten in den Menschen. Für die Borrelienpopulation ist es vorteilhaft, verschiedene Sets von Oberflächenproteinen zu bilden. Denn dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass wenigstens einige Varianten der Immunabwehr entgehen.
Für die Entwicklung wirksamer Impfstoffe gibt es nach Ansicht der Autoren zwei Erfolg versprechende Strategien: Entweder man beschränkt sich auf solche Oberflächenstrukturen, die zu Beginn der Blutmahlzeit vorliegen – dadurch würden die Erreger schon in der Zecke abgetötet. Oder man entwickelt einen Impfstoff gegen solche Hüllproteine, die allen Varianten gemeinsam sind.
Joachim Czichos





