Entzündungen im Gehirn sind ein eindeutiges Merkmal von Autismus. Bestimmte Komponenten des Immunsystems, die Entzündungen begünstigen, sind bei Menschen mit Autismus ständig aktiv, fanden Diana Vargas von der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore und ihre Kollegen heraus. Ihre Ergebnisse unterstützen die Theorie, dass Immunaktivitäten im Gehirn am Autismus beteiligt sind, berichten die Forscher im Fachmagazin Annals of Neurology (Online-Ausgabe 15. November).
Die Wissenschaftler untersuchten das Gehirngewebe von elf Menschen mit Autismus, die im Alter von fünf bis 44 Jahren an einem Unfall oder Verletzungen gestorben waren. Sie fanden Entzündungen in verschiedenen Bereichen des Gehirns. Auch entdeckten die Forscher Muster von Proteinen des Immunsystems, wie sie typisch für Entzündungsprozesse speziell im Gehirn sind.
Noch ist nicht klar, ob die Entzündungen für das sich entwickelnde Gehirn positiv, schädlich oder beides sind. Wahrscheinlich sind sie nicht die Ursache für den Autismus, sondern ein Symptom, vermuten die Wissenschaftler. Sie nehmen an, dass das Gehirn mit diesen Reaktionen einen anderen Prozess bekämpft, der die Hirnzellen schädigt. Zukünftig könnten die Entzündungszeichen im Gehirn bei der Diagnose von Autismus helfen.
Autismus ist eine Störung des sich entwickelnden Gehirns und betrifft zwei bis vier von 10.000 Kindern. Erste Symptome treten meist schon vor dem dritten Lebensjahr auf und bleiben fast immer ein Leben lang bestehen. Autisten sind selbstbezogen und oft kaum in der Lage, zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen. Zwillings- und Familienstudien legen nahe, dass Autismus genetische Ursachen hat. Da jedoch mehr autistische Kinder vorkommen, als bei einem genetischen Effekt erwartet werden würde, müssen noch andere Faktoren eine Rolle spielen.
ddp/bdw ? Anke Biester





