Das klingt fröhlich… das traurig
Um dieser Frage nachzugehen, entwickelten die Wissenschaftler ein Computerprogramm, das Sprachaufnahmen eine bestimmte emotionale Färbung verpassen kann, indem es typische Klangkomponenten künstlich verstärkt. Bei Freude ist unter anderem beispielsweise die Tonhöhe bestimmter Sprachaspekte angehoben, bei Traurigkeit hingegen abgesenkt. Ängstlichkeit spiegelt sich wiederum unter anderem in leicht zittrigen Tönen wider. Entsprechend kann das System der Forscher Aufnahmen eines neutral vorgelesen Textes entweder einen fröhlich, traurigen oder ängstlichen Klang geben. Die Manipulation erfolgt dabei so schnell, dass keine merkliche Zeitverzögerung eintritt. Die Effektivität des Systems testeten die Wissenschaftler an einer Gruppe von Testpersonen: Sie konnten die jeweils künstlich eingestellte Emotionsfarbe tatsächlich richtig zuordnen und empfanden sie als natürlich.
Bei ihren eigentlichen Experimenten baten die Forscher 100 Probanden, einen neutralen Text laut vorzulesen. Sie trugen dabei Kopfhörer, die ihnen das eigene Gesprochene simultan auf die Ohren legten. Ohne es zu wissen, hörten sie aber manipulierte Versionen ihrer eigenen Stimme, der künstlich entweder eine freudige, traurige oder ängstliche Klangfarbe verpasst worden war. Befragungen der Probanden ergaben, dass sie diese Manipulation meist nicht bemerkten. Die Forscher interpretieren dieses Ergebnis als einen Hinweis darauf, dass Menschen ihren eigenen Klang meist nicht kontrollieren, um bestimmte emotionale Komponenten sicherzustellen.
Emotionale Rückkopplung
Vor und nach den Experimenten befragten die Forscher die Probanden zudem nach ihrer momentanen Stimmungslage. Dabei zeigte sich: Wurde die Stimme bei dem Experiment künstlich traurig gemacht, fühlten sich die Probanden anschließend melancholischer als zuvor. Bei einer positiven Manipulation war es entsprechend umgekehrt. Eine Untersuchung des Hautwiderstandes während der Versuche – der ebenfalls Rückschlüsse auf Emotionszustände zulässt – bestätigte diese Wirkung zusätzlich.
Dieser Effekt könnte den Forschern zufolge bedeuten, dass es bei der emotionalen Selbstwahrnehmung des Menschen eine Art Rückkopplungseffekt gibt: Wir hören uns selber zu und erfassen dabei unsere Gemütslage, was sie wiederum zu verstärken scheint. “Die gleichen Interpretionsstrategien, die wir für das Verständnis von Mitmenschen nutzen, wenden wir offenbar auch auf uns selbst an”, schreiben die Wissenschaftler.





