Mit embryonalem Nervengewebe ist Wissenschaftlern des Johns Hopkins Medical Centers in Chicago die teilweise anatomische und funktionelle Wiederherstellung verletzten Rückenmarks gelungen. Ihre Studienergebnisse veröffentlichten sie in der Septemberausgabe des “Journal of Neurotrauma”.
Nachdem die Therapie bislang nur in Tierversuchen erfolgreich war, hatten die Forscher 1997 eine Pilotstudie mit acht Patienten gestartet, die an Syringomyelie erkrankt waren. Syringomyelie – auch Hydromyelie oder Hydrosyringomyelie genannt – wird oft als eine Zyste im Rückenmark beschrieben. Bei dieser Zyste handelt es sich um einen länglichen Hohlraum im Inneren des Rückenmarks, der mit Nervenwasser (Liquor) gefüllt ist. Dieser Hohlraum (griech. Syring) übt Druck auf die umgebenden Nervenbahnen des Rückenmarks aus und kann dadurch zu dauerhaften Schäden führen, die von geringfügigen Gefühlsstörungen bis zu schweren Lähmungen reichen können.
Hervorgerufen wird die Syring meist durch Störungen im Fluss des Liquors, der das gesamte zentrale Nervensystem aus Gehirn und Rückenmark umgibt.
In diesen Hohlraum transplantierten die Mediziner das fötale Nervengewebe. Die zuerst behandelten Patienten, zwei Männer im Alter von 44 und 51 Jahren, waren 18 Monate nach dem Eingriff neurologisch stabil.
Eine Magnetresonanztomographie ergab, dass sich festes Gewebe in den einstigen Hohlräumen gebildet hatte. Anzeichen für Wucherungen gab es nicht. Langfristige Prognosen können die Wissenschaftler dennoch nicht stellen. Derzeit erarbeiten sie neurophysiologische Tests, die die Heilung und die zurückgewonnenen Funktionen des reparierten Rückenmarks überwachen und anhand standardisierter Fragebögen die Lebensqualität der Patienten messbar machen.
Die Behandlung von Rückenmarksverletzungen wird bereits seit etwa 5.000 Jahren dokumentiert. Allerdings konnte die Wissenschaft nur vergleichsweise kleine Fortschritte in Bezug auf die Entwicklung neuer Therapiemethoden verzeichnen, so die Autoren der Studie.
Für ihre Untersuchung verwendeten sie Spendergewebe von Embryonen, die zwischen der sechsten und neunten Schwangerschaftswoche abgetrieben worden waren.
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