Die Nervenkrankheit ALS kann möglicherweise viel früher diagnostiziert werden als bislang angenommen. Darauf deuten die Ergebnisse amerikanischer Forscher hin, die bei Patienten mit der neurodegenerativen Erkrankung typische Veränderungen in der Zusammensetzung der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit entdeckt haben. Das berichteten die Wissenschaftler auf dem Jahrestreffen des Internationalen Verbandes der ALS-Gesellschaften in Mailand.
Die amyotrophische Lateralsklerose, auch Lou-Gehrigs-Krankheit genannt, zerstört bei den Betroffenen die Nervenzellen, die den Muskeln befehlen, sich zusammen zu ziehen. Prominentester Betroffener ist der Physiker Stephen Hawking. Die Folgen dieser Zerstörung sind zuerst eine Schwächung und dann ein Schwund der Muskeln. In späteren Stadien zeigen sich bei den Patienten starke Lähmungserscheinungen, die innerhalb weniger Jahre zum Tod führen. Sowohl Ursache als auch Therapien sind nicht bekannt.
Bisher konnte die Krankheit erst dann diagnostiziert werden, wenn sich bei der neurologischen Untersuchung bereits schwere Störungen des Muskeltonus zeigen. Die Entdeckung, die Robert Bowser und seine Kollegen von der Universität von Pittsburgh bei einer Untersuchung von 25 ALS-Patienten machten, könnte in Zukunft die Krankheit jedoch schon in einem viel früheren Stadium anzeigen: Die Zusammensetzung der Eiweißstoffe in der so genannten Zerebrospinalflüssigkeit, die Gehirn- und Rückenmarksnerven umgibt, unterscheidet sich bei ALS-Patienten deutlich von der anderer Menschen.
Dieses so genannte proteomische Profil kann nach Ansicht der Wissenschaftler jedoch nicht nur eine frühere Diagnose ermöglichen. Auch Verlauf und Erfolg oder Misserfolg einer Behandlung mit neuen Wirkstoffen können anhand von Veränderungen des Profils verfolgt und überprüft werden. “Wir hoffen, durch Auswertung der Daten von mehreren klinischen Studien die beste Kombination von Wirkstoffen zur Behandlung von ALS finden zu können”, sagt Studienleiter Bowser.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





