Ein Protein im Urin ist Vorbote für den schwangerschaftsbedingten krankhaften Bluthochdruck. Schon fast zwei Monate vor dem Auftreten dieser so genannten Präeklampsie fallen die Werte des Proteins im Urin ab. Mit einem Urintest könnte die Erkrankung daher schon frühzeitig erkannt werden, hoffen amerikanische Wissenschaftler. Ihren Ansatz stellen die Forscher um Ananth Karumanchi vom Beth Deaconess Medical Center in Boston im Fachmagazin JAMA vor (Ausg. 293, 5. Januar).
Unter Präeklampsie leiden in Deutschland durchschnittlich fünf bis acht Prozent der Schwangeren. Erste Anzeichen der Erkrankung sind erhöhter Blutdruck, Eiweiß im Urin, geschwollene Beine, Füße und Hände, eine plötzliche starke Gewichtszunahme und verringerte Urinausscheidung. Verstärken sich die Symptome im weiteren Verlauf der Schwangerschaft plötzlich, kann es zu Krampfanfällen kommen und die Geburt muss frühzeitig eingeleitet werden. Weltweit ist Präeklampsie eine der Hauptursachen für die Sterblichkeit von Mutter und Kind. Bisher konnten Mediziner zur Diagnose nur regelmäßig den Blutdruck und den Eiweißgehalt des Urins der Schwangeren kontrollieren. Doch die Präeklampsie kann schon vor dem Auftreten der ersten Symptome gefährlich für Mutter und Kind sein.
Frühere Studien zeigten einen Zusammenhang zwischen Präeklampsie und einem gestörten Gleichgewicht von Proteinen, die das Wachstum kleiner Blutgefäße in der Plazenta aktivieren, beispielsweise dem so genannten PIGF. Diese werden, so vermuten die Forscher, von einem anderem Protein, das die Neubildung von Blutgefäßen hemmt, an ihrer Arbeit gehindert. Bei Frauen mit Präeklampsie werden dadurch die versorgenden Blutgefäße zu der Plazenta enger statt weiter, mit fatalen Folgen für Fötus und Mutter.
Die Forscher untersuchten den Urin von 118 Frauen mit normalen Schwangerschaften und von 120 Frauen, die später an Präeklampsie erkrankten, auf den Gehalt an PIGF. Die erkrankten Frauen hatten sehr viel niedrigere Werte als die gesunden Frauen, und das sechs bis acht Wochen vor dem Auftreten der ersten Symptome. In einem zweiten Schritt untersuchten die Wissenschaftler Schwangere mit Krankheiten, die ähnliche Symptome verursachten. Bei ihnen blieb der Eiweißgehalt jedoch normal.
ddp/bdw ? Anke Biester





