Die Urahnen unserer heutigen Hauspferde haben sich ursprünglich in Nordamerika entwickelt – das ist bereits lange bekannt. Man geht davon aus, dass sich die sogenannten caballinen Pferde dann vor etwa einer Million Jahren über die eiszeitliche Bering-Landbrücke nach Eurasien ausbreiteten, die wiederholt auch anderen Tierarten als Verbindung gedient hat. Anschließend bildeten die Pferde auf dem neuen Kontinent im Verlauf der Jahrtausende eine Population, die sich zunehmend genetisch von den in Nordamerika verbliebenen Tieren zu unterscheiden begann.
Währen die Eurasier auf Erfolgskurs blieben und ihre Nachfahren schließlich später vom Menschen domestiziert wurden, gerieten die Pferde Amerikas offenbar in Schwierigkeiten: Sie verschwanden dort vor etwa 11.000 Jahren aus bisher ungeklärten Gründen. Im Rahmen der Urgeschichte der Pferde war bisher zudem unklar, inwieweit die beiden Populationen in Eurasien und Nordamerika während ihrer langen Koexistenz im mittleren und späten Pleistozän isoliert gewesen waren: Gab es nach der Erstbesiedelung des Kontinentes im Westen keine weiteren Kontakte oder Wanderungen mehr?
Spurensuche in fossiler DNA
Um Einblicke in die möglichen Verbindungen zu gewinnen, haben sich Wissenschaftler um Alisa Vershinina von der University of California in Santa Cruz nun auf die Spurensuche im Erbgut der Pferde begeben. “Dies ist der erste umfassende Blick auf die Genetik der einstigen Pferdepopulationen auf beiden Kontinenten”, sagt Vershinina. Im Rahmen der Studie haben sie und ihre Kollegen zahlreiche mitochondriale sowie einige nukleare Genome sequenziert und analysiert, die sie aus nordamerikanischen sowie eurasischen Pferdefossilien des Pleistozäns isoliert haben. Indem sie die gewonnenen genetischen Daten mit zuvor veröffentlichten Pferdegenomen verglichen, erstellten die Forscher einen genetischen Stammbaum. Wie sie erklären, zeichneten sich darin anhand der Fundorte und der genetischen Merkmale ab, ob und wann es zu Verbindungen zwischen den Pferdepopulationen gekommen ist.
Zunächst konnten die Forscher bestätigen, dass sich die eurasischen Pferdepopulationen ursprünglich im Zeitfenster von vor etwa einer Million bis vor 800.000 Jahren von denen in Nordamerika – ihrem angestammten Kontinent – abgespalten haben. In den genetischen Analysen spiegelte sich zudem wider, dass es nach der Auftrennung zu mindestens zwei bidirektionalen Genflüssen in zwei Zeitfenstern vor 875.000 bis 625.000 Jahren sowie vor 200.000 bis 50.000 Jahren gekommen ist. Im Klartext bedeutet das: Die Pferdepopulationen wanderten auf der in diesen Zeiten trockengefallenen Bering-Landbrücke hin und her und mischten sich, was auf beiden Kontinenten Spuren im Erbgut der Tiere hinterließ. “Mit den Daten der mitochondrialen und nuklearen Genome konnten wir nun sehen, dass sich die Pferde nicht nur zwischen den Kontinenten ausbreiteten, sondern sich auch untereinander kreuzten und Gene austauschten”, resümiert Vershinina.





