Abgründig, schwer zugänglich und deshalb bisher wenig erforscht: Weltweit sind mehrere tausend eisführende Höhlen bekannt – Österreich zählt dabei zu den Ländern mit der größten Dichte an diesen frostigen Naturwundern. Ihrer Untersuchung widmen sich seit einigen Jahren Forscher der Universitäten Innsbruck und Belfast. Sie konzentrierten sich dabei auf die häufige Kategorie der schachtförmigen Eishöhlen. Ihre Eiskörper bilden sich ähnlich wie bei Gletschern aus festem Niederschlag: Schnee fällt und rutscht im Winter in die Höhle und wird dann in weiterer Folge zu Eis. Wenn sich durch diesen Prozess mehr bildet, als im Sommer abschmilzt, wächst schließlich ein frostiger Körper in der Höhle heran.
Für die aktuelle Studie hat das Team um Tanguy Racine von der Universität Innsbruck Untersuchungen in acht schachtförmigen Eishöhlen in Tirol, der Steiermark, Oberösterreich und Kärnten durchgeführt. „Es gibt bereits Untersuchungen zu einzelnen Eishöhlen. Wir wollten jetzt allerdings erstmals eine vergleichende Analyse erstellen und haben uns deshalb auf die Entwicklung mehrerer Höhlen fokussiert, die sich in vergleichbaren Settings befinden: ähnliche Höhenlage und eine steil bis vertikal abfallende Geometrie“, erklärt Racine.
Datierbare Einschlüsse im Eis
Um das Alter der oft viele Meter dicken Eisschichten in den Höhlen zu bestimmen, konnte das Team die Radiokarbon-Methode einsetzen. „Wir haben uns auf kleinste Einschlüsse von Holz in den Eisschichten konzentriert. Denn das Alter dieser Holzreste, die von außen in die Höhlen gefallen sind, lässt sich genau bestimmen“, erklärt Racine. Insgesamt führten die Wissenschaftler 107 Datierungen von Holz-Einschlüssen durch und kombinierten die Daten dann mit weiteren Untersuchungsergebnissen. Wie sie erklären, zeichnete sich in den Auswertungen ein genaues Bild der Zu- und Abnahme des Eises in den Eishöhlen ab – die sogenannte Massenbilanz. Der Zeitraum reichte dabei bis zu 2000 Jahre in die Vergangenheit zurück.
Wie die Forscher berichten, verdeutlichten ihre Ergebnisse, dass das Eis der Höhlen ein wertvolles Klimaarchiv darstellt. Sie konnten anhand der datierbaren Einschlüsse im Eis beispielsweise zeigen, dass es während einer bekannten warmen Klimaanomalie zwischen 850 und 1200 n. Chr. zu einem verbreiteten Eisrückzug gekommen war. Für die sogenannte Kleine Eiszeit zwischen 1400 und 1850 n. Chr. konnte das Team außerdem an allen untersuchten Standorten eine positive Eismassenbilanz nachweisen. „Wir können für den Zeitraum der letzten zwei Jahrtausende ein vergleichbares Auf und Ab der Eisentwicklung in Eishöhlen und Gletschern belegen. Für beide ist wesentlich, wie viel Schnee im Winter fällt und wie warm die Sommer sind. Die Ergebnisse zeigen uns auch, dass ein Großteil des unterirdischen Eises in Österreich aus der Kleinen Eiszeit zwischen etwa dem 15. und 19. Jahrhundert stammt“, berichtet Racine.





