Das teilweise drastische Abschmelzen von Schelfeis an den Polen – wie des Larsen-Schelfs im Norden der Antarktis – ist kein ausschließliches Phänomen der Gegenwart. Das hat eine Studie britischer Wissenschaftler der Universitäten Durham und Edinburgh sowie des British Antarctic Survey in Cambridge ergeben. Danach gab es bereits vor 9500 Jahren einen Zusammenbruch des antarktischen Georg VI.-Schelfeises. Es befindet sich vor der Antarktischen Halbinsel und ist knapp 30 000 Quadratkilometer groß. Die Geologen und Glaziologen um Mike Bentley hatten die Bodensedimente eines Süßwassersees nahe der inneren Kante des Schelfs untersucht. Sie stellten fest, dass sich die Eismasse vor 9500 Jahren so weit zurückgezogen hatte, dass das Meerwasser in den See floss. Erst 1500 Jahre später war der Eispanzer wieder geschlossen. Die Ursache für die Eisschmelze war eine Änderung der Meeresströmungen, ausgelöst durch eine ungewöhnlich lange Wärmeperiode. Bentley meint deshalb, dass bei der aktuellen Diskussion um schmelzende Eisgebiete den Meeresströmungen eine zu geringe Rolle beigemessen wird.





