Mit nur einem zusätzlichen Gen schalteten US-Forscher den Stoffwechsel einer Mikroalge von der Photosynthese auf Glukose-Verbrennung um. Damit können diese bisher von Licht abhängigen Kleinstlebewesen der Art Phaeodactylum tricornutum erstmals im völligen Dunkel gezüchtet und produziert werden. Wie die Wissenschaftler vom Carnegie Institute of Washington und vom Biotech-Unternehmen Martek Biosciences im Fachmagazin Science berichten, könnte diese Entdeckung große wirtschaftliche Auswirkungen für die Mikroalgenproduktion haben.
Produkte aus Mikroalgen werden für fluoreszierende Pigmente, Diätwaren oder Fischfutter verwendet. Da die meisten Mikroalgen unfähig sind, sich selbstständig auf einen Stoffwechsel ohne Photosynthese umzustellen, werden sie in großen lichtdurchfluteten Behältern kultiviert. Durch das zusätzliche Gen könnte nun die Produktion kontrollierter und wirtschaftlicher in dunkle Fermenter verlagert werden.
Die Forscher hoffen dadurch auf eine bessere Kontrolle des Algenwachstums. Sie halten es für möglich, dass in den Fermentern die Algen sauberer und produktiver herangezüchtet werden können. “Der Ausschluss einer Verunreinigung bedeutet, dass die Algen nun in großer Reinheit für pharmazeutische Anwendungen und als Nahrungsmittelzusatz hergestellt werden können”, beurteilt Mitautor Kirk E. Apt die Ergebnisse der Studie. Diese relativ einfache Stoffwechseländerung sei allerdings nur möglich gewesen, weil P. tricormutum in seinem Erbgut bereits einige Anlagen für die Glukose-Verbrennung aufwies. Das Zusatzgen erlaubte es dem Organismus, von diesen Anlagen Gebrauch zu machen.
Jan Oliver Löfken





