Ob ein Mensch häufig einsam ist, lässt sich auch in dessen Gehirn erkennen. Das haben US-Psychologen bei Hirnscans von 23 Frauen herausgefunden. Bei Probandinnen, die sich häufig einsam fühlten, reagierte das Gehirn auf Bilder von Menschen in angenehmer Umgebung deutlich schwächer als bei geselligen Kolleginnen.
Die Wissenschaftler richteten in ihren Tests ihr Augenmerk auf eine Striatum genannten Gehirnregion, die eine wichtige Rolle bei der Verarbeitung emotionaler Signale spielt. So spricht das Striatum auf positive Signale an, wie sie beispielsweise der Anblick von Essen oder Geld vermitteln kann, aber auch auf positiv bewertete soziale Reize. In ihren Hirnscans entdeckten die Wissenschaftler bei zu Einsamkeit neigenden Probandinnen verglichen mit eher geselligeren Kolleginnen deutliche Unterschiede in der Aktivität des Striatum: Auf Bilder von Menschen im sozialen Umfeld reagierten die einsamen Frauen deutlich schwächer als auf Aufnahmen von Objekten mit positiven Eigenschaften. Bei den geselligeren Frauen war es genau umgekehrt.
Bilder von Menschen mit negativem Kontext führten hingegen bei den einsamen Probandinnen lediglich zu einer vermehrten Aktivität des für das Sehen zuständigen Visuellen Cortex. Bei den geselligen Frauen wurde hingegen der sogenannte temporo-parietale Übergang stimuliert, der immer dann aktiv wird, wenn ein Mensch versucht, sich in den anderen hineinzuversetzen.
Was bei diesen Ergebnissen Ursache und was Wirkung ist, sei ist allerdings unklar, machen die Wissenschaftler deutlich: Menschen, die häufig einsam seien, sprächen weniger auf soziale Reize an und neigten dazu, sich von anderen abzukapseln, was sich auch in den Reaktionen des Gehirns widerspiegle, erklären die Forscher. Andererseits könnte auch gerade die mangelnde Reaktion des Gehirns auf soziale Reize zu Gefühlen der Einsamkeit führen.
John Cacioppo (Universität von Chicago) et al.: AAAS Annual Meeting ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald





