Viele Studien belegen die negativen Effekte und im Rahmen der Corona-Pandemie werden die Folgen von sozialer Isolation besonders deutlich: Viele Menschen reagieren gestresst und ihre körperliche sowie geistige Verfassung kann Schaden nehmen. „Isolierte Menschen bekommen Gefühle der Einsamkeit, werden depressiv und ängstlich, entwickeln leichter Süchte und leiden unter einem geschwächten Immunsystem sowie einer beeinträchtigten Gesundheit im Allgemeinen“, fasst Inon Scharf von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz die möglichen Folgen zusammen.
Es ist auch allgemein bekannt, dass viele soziale Tierarten in ähnlicher Weise leiden, wenn sie in „Einzelhaft“ gehalten werden. Die Effekte von Isolation wurden dabei vor allem bei Säugetierarten wie beispielsweise Mäusen bereits eingehend untersucht. Doch über die Reaktionen von sozial lebenden Insekten ist bisher kaum etwas bekannt, sagen Scharf und seine Kollegen. Deshalb haben sie nun den Ameisen eine Studie zum Thema gewidmet.
Wie reagieren Ameisen auf „Einzelhaft“?
Diese Insekten sind für ihre komplexen sozialen Verhaltensweisen und Systeme bekannt: Sie verbringen ihr ganzes Leben als Teil ihrer Kolonie und sind dabei von deren Mitgliedern abhängig. Die Arbeiterinnen geben ihr eigenes Fortpflanzungspotenzial auf und kümmern sich um die Fütterung der Larven, die Reinigung und die Verteidigung des Nests und die Suche nach Nahrung, während die Königin fast ausschließlich Eier legt. Für diese Tiere steht das „Wir“ im Vordergrund und für die Funktion der Gemeinschaft ist ein komplexes Interaktionsverhalten zwischen den Individuen nötig. Das gilt auch für die Ameisen, die sich Scharf und seine Kollegen für ihre Untersuchungen ausgesucht haben. Es handelte sich um die Art Temnothorax nylanderi, die in den Wäldern Europas beheimatet ist.
Zur Isolation einzelner Tiere entnahmen die Forscher 14 Versuchs-Kolonien junge Arbeiterinnen und hielten sie für einige Tage von ihren Gruppenmitgliedern getrennt. Anschließend wurden diese Viersuchtiere wieder in ihre Kolonien entlassen und die Wissenschaftler erfassten das Verhalten der markierten Individuen. Wie sie berichten, hatte die „Einzelhaft“ die Ameisen deutlich geprägt: Nach dem Ende der Isolation interagierten sie weniger intensiv mit ihren erwachsenen Nestgenossinnen als normalerweise üblich. Dafür interessierten sie sich aber ungewöhnlich stark für den Kontakt zur Brut der Kolonie, berichten die Forscher. Ein besonders auffälliger Effekt war zudem, dass die von der Einsamkeit geprägten Ameisen gleichsam verwahrlosten: Sie verbrachten vergleichsweise wenig Zeit mit der Pflege ihres eigenen Körpers. „Diese Veränderung im Hygieneverhalten könnte die Ameisen anfälliger für Parasiten machen“, sagt Seniorautorin Susanne Foitzik von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.





