Trotz ihres furchterregenden Rufs als gefährliche Killer fühlen sich auch Piranhas nur gemeinsam stark: Sind sie alleine, verhalten sie sich schreckhaft und ängstlich, haben Forscher entdeckt. Haben die Fische jedoch Rückendeckung von einem Schwarm Artgenossen, verlieren sie das furchtsame Benehmen und lassen sich auch von einem Angriff nicht irritieren. Wahrscheinlich haben die Tiere ihr Schwarmverhalten demnach zumindest teilweise als Verteidigungsstrategie gegen Feinde wie Kaimane und Kormorane entwickelt, schließen die Wissenschaftler.
Das Image des Roten Piranhas (Pygocentrus nattereri) ist eigentlich eher furchteinflößend als furchtsam: Nicht zuletzt dank zahlreicher Auftritte in Hollywoodfilmen gelten die Raubfische als gnadenlose Jäger, die ihre Beute einkreisen und mithilfe ihres kräftigen Gebisses zerfleischen. Doch Biologen vermuten schon seit längerer Zeit, dass sich Piranhas nicht zum Jagen zusammenrotten, sondern weil sie Schutz suchen. Den haben die Fische in den überschwemmten Amazonasgebieten, in denen sie hauptsächlich leben, nämlich bitter nötig ? schließlich haben sie dort eine ganze Reihe natürlicher Feinde wie Delfine, Kaimane, größere Raubfische und fischfressende Vögel.
Um genauer zu untersuchen, warum Piranhas in Schwärmen leben, testeten die Wissenschaftler, wie wohl sich die Fische alleine und in Gruppen fühlten. Einsamkeit schlägt den Tieren sofort aufs Gemüt, stellten die Forscher dabei fest: Wurden die Fische einzeln oder paarweise vom Schwarm abgesondert, zeigten sie deutliche Anzeichen von Stress. In Gruppen von vier oder acht Individuen blieben sie dagegen ziemlich entspannt. Simulierten die Forscher zusätzlich einen Angriff durch einen Kormoran, war dieser Unterschied noch ausgeprägter: Die einzelnen Tiere gerieten nahezu in Panik und konnten sich auch eine ganze Zeit später nicht beruhigen, während die größeren Gruppen recht schnell wieder zur Tagesordnung zurückkehrten.
Die Piranhas fühlen sich offenbar selbst dann in der Gruppe deutlich sicherer, wenn kein Feind in der Nähe ist, schreiben die Forscher. Der Schwarm ermöglicht ihnen dabei einerseits eine höhere Wachsamkeit, während er andererseits das individuelle Risiko für jeden Fisch vermindert.
Anne Magurran ( St. Andrews Universität), Helder Queiroz: Proceedings of the Royal Society: Biological Sciences, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1038/rsbl.2004.0267
ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel





