Plastikmüll verrottet nicht, wenn man ihn in die Böschung oder ins Meer wirft. Aus den Tüten, Flaschen und Verpackungen lösen sich stattdessen im Laufe der Zeit unzählige winzige Kunststoffpartikel, die mit dem bloßen Auge teilweise nicht mehr zu erkennen sind. Sie werden zu Mikroplastik. Die weniger als fünf Millimeter kleinen Plastikstücke sind eine Gefahr für Gesundheit und Umwelt. So wurden sie beispielsweise schon in unserem Gehirn und in unserer Leber nachgewiesen, aber auch in vielen Meerestieren.
Auf Mikroplastik-Suche in 38 Seen
Während gigantische Müllstrudel in den Weltmeeren bereits auf den ersten Blick erkennen lassen, wie ernst die Mikroplastik-Lage dort ist, wurde die Situation in Seen bislang nicht einheitlich dokumentiert. Doch Forschende um Veronica Nava von der italienischen Universität Mailand-Bicocca haben nun auch den Zustand dieser Binnengewässer erstmals global repräsentativ und standardisiert untersucht. Insgesamt beprobte das Forschungsteam dafür 38 Seen in 23 Ländern, die verschiedene Gewässermerkmale auf einem Spektrum abdeckten – darunter Fläche, Tiefe und Verweildauer des Wassers. Auch menschliche Faktoren wie die Bevölkerungsdichte und das Vorhandensein von Kläranlagen wurden bei der Auswahl der Seen berücksichtigt.
Pro Standort filterten die Forschenden durchschnittlich 140 Kubikmeter Seewasser und zählten dabei, wie viele Mikroplastikartikel pro Kubikmeter enthalten waren, aber auch welchen Arten von Kunststoff sie angehörten, also etwa Polyester oder Polyethylen. Bei ihren Filtern nutzte das Team eine Maschenweite von 0,25 Millimetern und erfasste dadurch vor allem Plastikpartikel zwischen 0,25 und 5 Millimeter Größe. Kleinere, möglicherweise sogar noch häufigere Kunststoffpartikel wurden demnach nicht erfasst.
Stärker belastet als die Ozeane
Das Ergebnis: In jedem der von ihnen beprobten Seen fanden die Forschenden Mikroplastik – egal, wie unberührt und abgeschieden er auf den ersten Blick gewirkt hatte. Die Intensität der Mikroplastikbelastung variierte allerdings stark. Während es etwa der Avery Lake im US-Bundesstaat Michigan auf 0,01 Partikel pro Kubikmeter brachte, führte der Luganersee in der Schweiz das Ranking mit mehr als zehn Partikeln pro Volumeneinheit an. Zusammen mit zwei weiteren Seen – dem Lake Tahoe in der kalifornischen Sierra Nevada und dem Lago Maggiore in Italien – überschritt dieser See somit die kritische Marke von fünf Partikeln pro Kubikmeter.
„Diese Resultate sind insofern beunruhigend, als dass diese drei Seen bereits jetzt eine höhere Mikroplastikbelastung aufweisen als die weltweit am stärksten verschmutzten subtropischen Ozeanwirbel“, ordnet Katrin Attermeyer von der Universität Wien ein. Knapp unter diesem Schwellenwert und damit auf Platz vier der am stärksten verschmutzten Seen landet der Stechlinsee in Brandenburg. Obwohl sein Ufer weitestgehend natürlich und von Buchenwald umgeben ist, fanden die Forschenden darin unerwartet viele Mikrofasern. „Vermutlich handelt es sich dabei vor allem um Fasern von der Kleidung der Badenden“, berichtet Hans-Peter Grossart vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei. Seenübergreifend bestanden die meisten Kunststoffpartikel in den Stillgewässern entweder aus Polyester, Polypropylen oder Polyethylen.





