Nach Dick’s Vorhersage wird die eingeschleppte Krabbe Dikerogammarus villosus zu einer drastischen Reduzierung der Biodiversität in den betroffenen Regionen und lokal sogar zum völligen Verschwinden einheimischer aquatischer Arten führen. Der gierige Gliederfüßer ist eigentlich im Kaspischen, im Schwarzen und im Asowschen Meer zu Hause. Dieses Gebiet ist ein bekannter Herd für Arten, die sich in fremden Lebensräumen ausbreiten. Viele von ihnen – so zum Beispiel auch die Muschel Dreissena polymorpha – sind bereits bis nach Westeuropa und Nordamerika gelangt. An der raschen Verbreitung trägt vor allem der Mensch Schuld, denn als Vehikel dient den Tieren zumeist das Ballastwasser der global verkehrenden Frachtschiffe. Auf diese Weise gelangen die Larven der Tiere über Tausende Kilometer hinweg in bis dahin unerreichbare Habitate, in denen sie sich oftmals ungehindert ausbreiten können und aufgrund des Fehlens natürlicher Feinde auch oft genug heimische Arten verdrängen.
Der Shrimp Dikerogammarus villosus hat in den Niederlanden und anderen Teilen Westeuropas bereits fest Fuß gefaßt und nicht nur die heimische Art Gammarus duebeni sondern auch den früheren (aus Nordamerika stammenden) Eindringling Gammarus tigrinus zunehmend verdrängt.
Jaimie Dick leitet seine bedenkliche Prognose aus Laborexperimenten ab, die belegen, dass Dikerogammarus villosus ein deutlich aggressiverer Jäger als der einheimische Gammarus duebeni ist. Verglichen mit diesem tötete Dikerogammarus villosus in einem Versuchstank weit mehr der dort enthaltenen Klein-Organismen. Mit besonders großen und kräftigen Mundwerkzeuge ausgestattet, ist es dem Eindringling ein Leichtes, seine Beute mit einem Biss zu töten und völlig zu schreddern. Im Gegensatz dazu vertilgt die heimische Art nur wenige der sonst noch im Wasser vorkommenden Formen. Besonders gefährlich ist der neue Räuber aber dadurch, dass er recht unempfindlich gegenüber Schwankungen der Wassertemperatur, des Sauerstoffgehaltes im Wasser und der Salinität ist. Schließlich kommt auch noch hinzu, dass er in seiner Nahrung nicht wählerisch, also kaum spezialisiert ist und sich sehr schnell vermehrt. Diese Fähigkeiten, die Dikerogammarus villosus einst als Überlebensstrategie in seinen angestammten Lebensräumen entwickelte, könnten okkupierte Ökosysteme, wie in Westeuropa oder Nordamerika grundlegend schädigen oder gar ganz zerstören.
Olaf Elicki





