In Deutschland sind Etwa 60 000 schwer nierenkranke Patienten auf eine regelmäßige Blutwäsche angewiesen. Die meisten müssen wöchentlich für mehrere Stunden an die „künstliche Niere”. Nur jeder 20. Patient nutzt ein deutlich bequemeres, schonenderes und kostengünstigeres Verfahren: die Bauchfelldialyse, bei der das eigene Bauchfell die Filterfunktion der Niere übernimmt. „ Weltweit wird dagegen schon jeder siebte Patient mit der Bauchfelldialyse behandelt. In manchen Ländern – wie den Niederlanden, Kanada oder Australien – sind es mittlerweile etwa 30 Prozent”, sagt Dr. Vedat Schwenger, Leitender Oberarzt am Nierenzentrum der Universitätsklinik Heidelberg. Er und seine Kollegen behandeln sogar 40 Prozent ihrer Nierenpatienten mit der Bauchfelldialyse.
In Deutschland kennen nur wenige Mediziner diese Methode und empfehlen sie daher entsprechend selten. Dabei mutet das Verfahren unglaublich einfach an: Den Patienten wird etwas unterhalb des Bauchnabels ein Dauerkatheter eingesetzt, durch den sie selbstständig Dialyseflüssigkeit aus einem Beutel in den Bauchraum einlaufen lassen. Über das gut durchblutete Bauchfell, das den Bauchraum von innen auskleidet, können Wasser und Abfallstoffe – vor allem Harnstoff sowie Kalium und Natrium – aus dem Blut in die Dialyseflüssigkeit diffundieren. Nach sechs Stunden lassen die Patienten die verbrauchte Flüssigkeit über den Katheder in einen leeren Beutel ablaufen und füllen anschließend etwa zwei Liter frische Lösung nach. Mit dieser Methode werden etwa 20 Prozent der Reinigungsleistung einer gesunden Niere erreicht. Mehr schafft auch eine „künstliche Niere” nicht. Dabei ist die Bauchfelldialyse für die Patienten wesentlich bequemer. So entfallen die zeitaufwändigen Aufenthalte im Dialysezentrum. Ihr Bauchfell filtert das Blut einfach nebenbei, während sie im Büro sitzen, schlafen oder einkaufen gehen.
Die Bauchfelldialyse ist allerdings nicht für alle Patienten geeignet. Bei deutlich Übergewichtigen reicht die Filterkapazität des Bauchfells in Relation zur Körpermasse nicht aus. Auch ältere Patienten, die an weiteren schweren Krankheiten leiden, können an einem herkömmlichen Dialyseplatz besser überwacht werden. Außerdem erfordert der Wechsel der Dialyseflüssigkeit große Sorgfalt. Denn der Kunststoffkatheder ist für Bakterien ein ideales Einfallstor in die sterile Bauchhöhle. Aber seit Mitte der Neunzigerjahre gibt es geschlossene Beutel-Schlauch-Systeme, die das Infektionsrisiko deutlich gesenkt haben. „ Bauchfellentzündungen sind bei uns kaum noch ein Problem”, sagt Schwenger. „Statistisch tritt eine in 67 Dialysemonaten einmal auf.”
Leider verdickt sich das Bauchfell als Reaktion auf den permanenten Kontakt mit der zuckerhaltigen Dialyselösung nach fünf bis sieben Jahren. Dann lässt seine Filterleistung nach, und die Patienten müssen doch an die künstliche Niere, oder sie benötigen eine Spenderniere. Die Bauchfelldialyse ist also keine Dauerlösung, aber sie ermöglicht es Nierenkranken, zumindest einige Jahre ein fast normales Leben zu führen. Dr. Ulrich Fricke
COMMUNITY Internet
Selbsthilfeorganisation deutscher Dialysepatienten:
www.dialysepatienten-deutschlands.de
Infos der Firma Amgen zu Bauchfelldialyse:
www.niere.org
Kontakt
Dr. Vedat Schwenger
Bergheimer Str. 56a
69115 Heidelberg
Lesen
Gerhard Leibold
Blasen- und Nierenleiden
Oesch-Verlag, € 12,90





