So mancher Bergsteiger leidet ab einer gewissen Höhenlage unter Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Übelkeit und Müdigkeit. Amerikanischen Wissenschaftlern zufolge hilft gegen die Höhenkrankheit ein frei zugängliches Schmerzmittel: Ibuprofen.
Rund 500.000 Menschen begeben sich pro Jahr auf den höchsten Berg Deutschlands ? zu Fuß oder mit der Seilbahn. Mit knapp 3.000 Metern gehört die Zugspitze bei Weitem nicht zu den höchsten Bergen der Welt, beschert aber dennoch dem einen oder anderen erste Symptome der Höhenkrankheit. Es gibt zwar Medikamente dagegen, darunter die Wirkstoffe Acetazolamid und Dexamethason, sie müssen aber bereits einen Tag, bevor man sich in die Höhe begibt, eingenommen werden. Auch haben sie bisweilen starke Nebenwirkungen, die paradoxerweise zum Teil nicht von den Symptomen zu unterscheiden sind, die sie bekämpfen sollen.
Schmerzmittel wie Ibuprofen, das zu den nichtsteroidalen Antirheumatika gehört, gelten als mögliche Alternative, weil sie unter anderem in Entzündungsprozesse eingreifen, die als Mit-Auslöser für die Höhenkrankheit diskutiert werden. Das US-Team um Grant Lipman vom Stanford Hospital führte deswegen eine Pilotstudie mit dem Medikament durch. Dafür befragten die Wissenschaftler 58 Männer und 28 Frauen zu ihrem Befinden während einer Wanderung durch die White Mountains in der Nähe von Bishop in Kalifornien. Zunächst übernachteten die 86 Wanderer auf einer Höhe von 1.200 Metern. Am nächsten Morgen um 8 Uhr verabreichten die Forscher 44 Probanden 600 Milligramm Ibuprofen, den restlichen 42 Probanden ein wirstofffreies Placebo. Es folgte der Aufstieg auf 3.600 Meter und eine zweite Dosis Ibuprofen beziehungsweise Placebo gegen 14 Uhr. Danach bewältigten die Probanden weitere 200 Höhenmeter und bekamen auf 3.800 Metern zum dritten Mal das jeweilige Präparat.
25 Prozent weniger Schwindel
Die Befragung der Bergsteiger ergab, dass 19 der Probanden (43 Prozent), die Ibuprofen bekommen hatten, über Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Übelkeit, und Müdigkeit klagten. In der Placebo-Gruppe waren es 29, also 69 Prozent. Ibuprofen verhinderte also zu 26 Prozent das Auftreten der für die Höhenkrankheit typischen Symptome, folgern die Forscher. Über die Ausprägung der Symptome machen sie jedoch keine Angaben.
Als Ursache für die Höhenkrankheit gilt der abnehmende Luftdruck und der geringere Sauerstoffgehalt: Der Blutdruck erhöht sich, und es wird Wasser in Lungenbläschen und Gehirn gedrückt. Lipman vermutet, dass Ibuprofen diese Prozesse bremst und somit langfristigen Schädigungen durch Lungen- oder Gehirnödemen vorbeugen kann.
Ein Vorteil des Schmerzmittels sei zudem seine zeitnahe Wirkung, sagen die Forscher. Das verschreibungspflichtige Acetazolamid muss dagegen einen Tag vor einer Bergtour eingenommen werden. Einen Haken hat aber die Einnahme von Ibuprofen: Bei einer Dosis von über 600 Milligramm besteht das Risiko einer Organnschädigung, geben die Wissenschaftler zu Bedenken.
Grant Lipman (Stanford Hospital and Clinics) et al.: Annals of Emergency Medicine, doi: 10.1016/j.annemergmed.2012.01.019 © wissenschaft.de ? Marion Martin





