Eric Kandel, der entdeckte, wie Hirnzellen miteinander kommunizieren und dafür den Nobelpreis bekam, erklärt in seinem Alterswerk, was in unserem Kopf Wahrnehmung und Kreativität ermöglicht.
Die Kluft zwischen Kunst und Wissenschaft war nicht immer so groß wie heute. Kandel beschreibt die intellektuelle Atmosphäre des Wiener Fin de Siècle um das Jahr 1900, wo der Austausch von Künstlern, Denkern und Wissenschaftlern gepflegt wurde – in der Universität, in den Kaffeehäusern oder in gastlichen Salons wie dem von Berta Zuckerkandl. An den Zusammenkünften dort nahm auch der Maler Gustav Klimt teil. Kandel zeigt, wie tiefgreifend biologische und medizinische Erkenntnisse Klimts Kunst beeinflusst haben. Und er ist überzeugt, dass man jedwede kreative Aktivität aus Kunst, Natur- oder Geisteswissenschaft nutzen kann, um zu verstehen, wie das Gehirn arbeitet – wie aus Informationen, die Augen sammeln, „Sehen” wird, wie sich Gedanken in Erinnerungen verwandeln und was die biologischen Grundlagen unseres Verhaltens sind.
Das prächtig bebilderte Buch ist ein Aufruf zu fachübergreifendem Denken. Und es ist eine Geschichte der Hirnforschung des 20. Jahrhundert – mit einer Liebeserklärung des Autors an „sein” Wien, aus dem er als Kind von den Nazis vertrieben wurde. Claudia Eberhard Metzger
Eric Kandel DAS ZEITALTER DER ERKENNTNIS Siedler, München 2012 703 S. mit vielen Abb., € 39,99 ISBN 978–3–88680–945–5 E-Book für € 32,99 ISBN 978–3–641–09985–5





