NICHT EINMAL ZWEI Menschenleben ist es her, dass der indonesische Vulkan Krakatau explodierte. Damals feierte die Technik gerade epochale Erfolge: Dampfschiffe lösten die Segler ab, und die Welt wurde mit unterseeischen Telegrafenleitungen vernetzt. Die Nachricht von der Naturkatastrophe aus dem fernen Gewürzland, in dem die Holländer als Kolonialmacht herrschten, erreichte innerhalb weniger Stunden die europäischen Metropolen.
Der britische Journalist Simon Winchester erzählt vom Alltag der Menschen im Jahr 1883 und wie der Vulkanausbruch den Trott jäh unterbrach. Tausende Kilometer weit war die Explosion zu hören. Winchester hat auch die Vorgeschichte recherchiert: Die Vulkaninsel in der schmalen Seestraße zwischen Java und Sumatra hatte wochenlang rumort, ehe sie am 27. August im Meer versank. Dabei türmten sich riesige Flutwellen auf, die mehr als 36 000 Menschen in vielen Küstenorten verschlangen. Die Europäer konnten das Drama dank der Telegrafie fast „live” mitverfolgen.
Die Katastrophe markiert nach Ansicht von Winchester den Anfang von dem, was man heute „Globales Dorf” nennt. Mit ihr verschärften sich die Spannungen zwischen Einheimischen und Holländern. Winchester ist überzeugt, dass dies den Islamismus begünstigte und letztlich das Ende der Kolonialzeit einläutete. Doch überzeugende Belege bleibt er schuldig.
Das flott geschriebene, populär- wissenschaftliche Buch richtet sich weniger an geowissenschaftlich als an historisch interessierte Leser.
Klaus Jacob





