Mit beiden Datensätzen fütterten die Forscher anschließend ihre Computer, um mögliche Zusammenhänge aufzudecken. Ergebnis: 58 Prozent der Varianz bei der Zuordnung der persönlichen Eigenschaften der Personen auf den Fotos waren auf messbare Eigenschaften der Gesichtszüge zurückzuführen. Mit anderen Worten: Die Forscher entwickelten ein Modell, das bei jedem Foto mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit vorhersagen kann, welche Eigenschaften Probanden der jeweiligen Person zuordnen würden. Beispielsweise sind die Eigenschaften des Mundes besonders mit der Einschätzung verknüpft, ob wir jemanden als eher unnahbar empfinden, wohingegen die Merkmale der Augen maßgeblich mit der Einschätzung der Attraktivität verknüpft zu sein scheinen.
Auch in computergenerierten Gesichtern lesen wir
Um dieses Ergebnis zu untermauern, drehten die Forscher den Spieß gleichsam um: Sie entwickelten mittels ihres Modells computergenerierte cartoonartige Bilder mit unterschiedlichen Merkmalen. Diese sollten dann erneut Probanden beurteilen – sie sollten also ihren ersten Eindruck über die persönlichen Eigenschaften der Person auf dem Cartoon-Bild wiedergeben. Dabei zeigte sich: Die Testteilnehmer interpretierten häufig genau die Persönlichkeitsmerkmale in die computergenerierten Bildern hinein, die das Modell vorhergesagt hatte.
Aus den Ergebnissen geht den Forschern zufolge hervor, dass der erste Eindruck beim Anblick des Gesichts eines Mitmenschen nicht nur auf einer diffusen Wahrnehmungsbasis des jeweiligen Betrachters basiert. Es gibt offenbar objektive Faktoren in Gesichtern, die Assoziationen mit persönlichen Eigenschaften wecken. In einer Welt, in der die Bedeutung der sozialen Medien zunimmt, ist diese Erkenntnis besonders interessant, sagen die Forscher. Denn Menschen werden heute zunehmen mit Gesichtern konfrontiert – von denen sie sich einen ersten Eindruck machen.





