Offiziell leben wir noch in der geologischen Epoche des Holozän, die vor rund 12.000 Jahren mit dem Ende der letzten Eiszeit begonnen hat. Wie bei anderen geologischen Epochen vor ihm ist der Beginn dieser Ära durch einen globalen und umfassenden Wandel der Umweltbedingungen oder der Lebenswelt gekennzeichnet. Im Falle des Holozäns war dies der Rückzug der Eiszeitgletscher und der starke Anstieg der globalen Temperaturen. Dies ist an Isotopenwerten und charakteristischen Veränderungen der in den geologischen Schichten abgelagerten Fossilien und Minerale abzulesen. Andere Epochenübergänge sind durch große Massenaussterben und die mit ihnen verknüpften Veränderungen gekennzeichnet, wie beispielsweise das Ende der Kreidezeit vor rund 66 Millionen Jahren. Seit dem Beginn des Holozäns vor rund 12.000 Jahren hat sich zunächst tausende von Jahren wenig verändert, das Erdsystem blieb relativ stabil.
Drei Voraussetzungen für das Anthropozän
Doch mit dem Beginn der Neuzeit und dem rasanten Wachstum der Weltbevölkerung hat sich dies geändert. Die Menschheit greift immer stärker in die Stoffkreisläufe, Natur und Klima ein, längst ist dies überall auf dem Planeten Erde nachweisbar: An den Treibhausgas- und Schadstoffemissionen, an der Zerstörung und Zersiedelung der Landschaften, am beschleunigten Aussterben von Arten oder den allgegenwärtigen Resten von Plastik und anderen synthetischen Materialien. Schon im Jahr 2000 schlugen deshalb einige Wissenschaftler, darunter der Nobelpreisträger Paul Crutzen, damals Direktor am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz, vor, die vom Menschen geprägte Ära als neues geologisches Zeitalter zu definieren – als „Anthropozän”. Zuständig für die Einteilung der erdgeschichtlichen und damit auch stratigrafischen Zeitabfolgen ist die International Commission on Stratigraphy (ICS). Sie entscheidet, ob und wann ein neues geologisches Zeitalter eingeführt wird.
Damit dies erfolgen kann, müssen drei Anforderungen erfüllt sein: Es muss mindestens ein typisches Merkmal der neuen Epoche geben, das in geologischen Schichten klar ablesbar und nachweisbar ist, es muss – und anderem anhand dieser Merkmale – festgelegt werden, wann diese Epoche begonnen hat, und man benötigt einen Referenzpunkt – einen Ort, an dem die ausschlaggebenden Kennzeichen für die neue Epoche besonders deutlich und repräsentativ zutage treten. Diese Referenzpunkte werden als “Global Stratotype Section and Point” (GSSP) bezeichnet. Weil diese mit goldfarbenen Metallplaketten markiert werden, werden sie auch als “Golden Spike” – Goldener Nagel – bezeichnet. Damit das Anthropozän eine offizielle geologisch-stratigrafische Epoche werden kann, mussten diese drei Fragen geklärt werden.





