Dass ein Vogelbeobachter einen Sperling, einen Strandläufer oder einen anderen Vogel schnell erkennt, könnte laut Natasha Sigala und Nokos Logothetis vom Max-Planck-Institut für biologische Kybernetikin Tübingen auf die Aktivität einzelner spezialisierter Neuronen zurückgehen. Diese reagieren auf ein vom Gehirn eng definiertes Merkmal. Die Forscher beschreiben diese spezifische Aktivität der Neuronen in Nature (Vol. 415, S. 318).
In ihren Experimenten zeigten die Forscher Affen Schemata von Gesichtern und von Fischen. Während die Makaken die Bilder betrachteten und entweder den Fischen oder Gesichtern zuordnen mussten, zeichneten die Forscher die Aktivität einzelner Neuronen auf. Dabei variierten sie bei den Gesichtern die Stellung der Augen im Gesicht und ihr Abstand, die Nasenlänge und die Mundposition. Diese vier Merkmale wurden ausgewählt, weil die beiden ersten eine entscheidene Rolle für die Erkennung des Gesichtes spielen. Die Veränderung der anderen beiden Merkmale diente den Forschern als Kontrolle.
Die Wissenschaftler stellten eine höhere Aktivität der untersuchten Neuronen fest, wenn die Affen ein Bild entsprechend der typischen Merkmale zuordneten. Dieses Ergebnis belegt, dass das Wiedererkennen und Einordnen bestimmter Dinge durch die Aktivität einzelner spezialisierter Neuronen in dem inferotemporalen Cortex genannten Gebiet bestimmt wird.
Bisher war bekannt, dass Neuronen zur Formwahrnehmung von Objekten im inferotemporalen Cortex wichtig sind. Dieses Gebiet der Schläfenlappen ist für die Verarbeitung visueller Reize zuständig. Hier wird beispielsweise die Gesichtserkennung realisiert. Bisher wusste man jedoch nicht, welche charakteristischen Merkmale eines Objekts im Gehirn wie verarbeitet werden.
Nicole Waschke





