Die Symptome beruhen stattdessen auf krampfartigen Verengungen mehrerer Herzkranzgefäße. Vermutlich wird dies durch Stresshormone ausgelöst, die bei außerordentlichen emotionalen Belastungen ausgeschüttet werden – beispielsweise durch den Tod einer nahestehenden Person, Mobbing am Arbeitsplatz oder unerwarteten finanziellen Sorgen. Dieses auch als Stress-Kardiomyopathie bezeichnete Syndrom tritt zu 90 Prozent bei älteren Frauen auf – wohingegen ein Herzinfarkt zu 70 Prozent ältere Männer betrifft. In den ersten Stunden sind beide Zustände ähnlich gefährlich: Vier bis fünf Prozent der Patienten sterben. Der Unterschied zeigt sich jedoch nach der akuten Phase: Beim „Syndrom des gebrochenen Herzens” erholt sich der Herzmuskel meist wieder vollständig. Beim Herzinfarkt entstehen jedoch Narben, die dauerhaft bleiben und die Pumpfunktion beeinträchtigen können.
Mikro-RNAs zeigen „Gebrochene Herzen” auf
Die Forscher um Thomas Thum von der Medizinischen Hochschule Hannover haben nun herausgefunden, dass das Gebrochene-Herz-Syndrom anhand von bestimmten mikro-RNAs im Blut der Patienten erkannt werden kann. Seit einigen Jahren ist bekannt, dass diese kleinen RNA-Schnipsel neben den klassischen Genen die Lebensprozesse fundamental prägen. Sie bestehen aus durchschnittlich 22 genetischen Bausteinen, dienen aber anders als ihre Verwandten, die RNAs, nicht zur Herstellung von Proteinen. Sie beeinflussen aber dennoch indirekt die Produktion von Eiweißen und spielen damit eine zentrale Rolle in dem komplexen Geschehen der Genregulation im Körper. Studien haben bereits gezeigt, dass sich bestimmte Erkrankungen in einem ungewöhnlichen Muster von mikro-RNAs widerspiegeln.
„ Ein bestimmtes Muster aus vier mikro-RNAs im Blut der Patienten unterscheidet Stress-Kardiomyopathie von einem Herzinfarkt”, fasst Thum die aktuellen Ergebnisse zusammen. Daraus wollen die Wissenschaftler nun ein praktikables Diagnoseverfahren entwickeln. „Weitere Studien mit mehr Patienten müssen die Ergebnisse nun bestätigen und der Nachweis der mikro-RNAs muss schneller werden”, so Thum. Die Forscher erwarten, dass ein entsprechendes Verfahren in ein paar Jahren in Kliniken verfügbar sein wird.





