Er selbst macht es sich in dieser Vielfalt manchmal auch ganz einfach mit seinem Selbstbild: Einem Kollegen hat er mal zu Protokoll gegeben, er wolle auf seine nächste Visitenkarte schlicht das Wort ‘Geschichtenerzähler’ drucken lassen. Und damit stellt er sich so ganz nebenbei in eine Tradition, die bis in die Steinzeit zurückreicht und an Settings erinnert, wo unsere Vorfahren nächtens am Feuer saßen und den berührenden Geschichten des Lebens lauschten. “Geschichten sind der Leim, der die Botschaft im Kopf verankert”, sagt er und versteht damit auch das Radio neu – als eine moderne orale Tradition, ganz im Sinn der archaischen Lagerfeuergeschichten, die den Anfang aller Kultur markieren. Für seine Kollegen allerdings war er mit solchen Sichtweisen über lange Zeiten einfach der ‘Indianer-Biegert’, was so ähnlich klingt, wie ‘Indianer-Joe’, der schräge Vogel bei Mark Twain. Und für manche der Kollegen ist der Biegert auch ein schräger Vogel geblieben. Denn er macht nicht mit, was und wie fast alle machen
Es lohnt sich also, das Phänomen Claus Biegert mal biographisch anzuschauen.
Am Anfang liegt eine Kindheit am wunderschönen Staffelsee, nicht immer einfach und nicht immer leicht, aber vielleicht prägend in der Schönheit, Größe und Würde der lebendigen Natur dort – die für Claus Biegert zum Maßstab werden soll. Dann, nach der Schule geht Claus zur Abendzeitung, damals noch mehr als ein Boulevardblatt. Der Suchende, der seine eigene Lebensfrage noch nicht kennt, nutzt die AZ zum Sprungbrett über den großen Teich. Denn ganz so, wie seine jüngste Produktion heißt, hörte er ein ‘Native American Calling’ – der Widerstand der amerikanischen Ureinwohner berührt das Herz des jungen Journalisten. Es ist die Zeit von der Besetzung von Wounded Knee und der Geburt des ‘A.I.M.’, des ‘American Indian Movements’. Also fährt er hin und taucht ein in eine ganz andere Welt, schreibt staunend und fasziniert über den Kampf der ‘First Nations’ um Würde und Freiheit. Es ist ein ‘Ankommen’ wird er später sagen, denn er betritt in der indianischen Welt einen Raum, “wo Arbeit erledigt werden muss”. Claus Biegert findet hier die Antwort auf eine Frage, bevor er sie formuliert hat – eine Lebensaufgabe, die er annimmt. Es sollen bislang drei Jahrzehnte folgen, in der er zum Botschafter, zum Anwalt, zum Interessenvertreter, manchmal zum Pressesprecher, zur deutschen Stimme indianischer Weltsicht und Einsicht wird.
Dabei bricht der Journalist schon hier mutig alle doppelbödigen Regeln des zeitgenössischen Journalismus. Er lässt den hohlen Anspruch der Objektivität, der im Journalismus ohnehin meist nur Schein ist, hinter sich, er hält sich nicht raus, er bleibt nicht neutral, er markiert nicht den Oberschlauen. Im Gegenteil: er kommt als Lernender, er lässt sich berühren, er bezieht Stellung, er verpflichtet sich keinem Medium sondern einer Idee, er nutzt seine Gaben, um etwas zu verändern. Und er gibt dem ganzen auch selbstbewusst einen Namen: ‘Action Journalism’, ein Metier, dass den Publizisten zum Aktivisten macht.





