An der Studie nahmen insgesamt 160 Probanden teil, die sich damit einverstanden erklärt hatten, sich mit Elektroschocks im erträglichen Rahmen traktieren zu lassen. Ihnen wurde per Zufall entweder die Rolle eines Entscheiders oder Empfängers zugeteilt. Die Forscher bildet aus ihnen anschließend Paare, bei denen beide allerdings nicht wussten, um wen es sich beim Partner handelt. Vor den Versuchen verabreichten die Wissenschaftler den Freiwilligen Test-Elektroschocks, um herauszufinden, wo ihre persönliche Schmerzgrenze lag. Die Stromstöße für die nachfolgenden Experimente sollten zwar unangenehm, aber gerade noch erträglich sein. Als Wiedergutmachung für das elektrisierende Versuchskonzept stand immerhin Geld in Aussicht.
Elektrisierende Experimente
Nun nahmen die jeweiligen Entscheider-Probanden allein in einem Versuchsraum vor einem Computer Platz. Sie sollten sich nun wiederholt zwischen verschiedenen Mengen an Stromschlägen entscheiden – für mehr gab es dabei üppigere Gewinne: 7 wurden mit 10 Pfund vergütet, für 10 gab es 15£ und für die maximalen 20 Schocks 20£. Der Clou bei dem Experiment: Bei der Hälfte der Durchläufe bekam der Entscheider das Geld für die eignen Schocks, bei der anderen für die, die er dem Empfänger-Partner zuteilte. Er wusste dabei, dass seine Entscheidungen geheim waren – er musste sich also keinem moralischen Urteil von Mitmenschen stellen.
Die Auswertungen der Forscher zeigten: Im Durchschnitt opferten die Entscheider-Probanden etwa doppelt so viel Geld, um den Partner zu schützen, als um sich selbst vor den unangenehmen Elektroschocks zu bewahren. Beispielsweise waren sie für einen Anreiz von durchschnittlich 6 Pfund bereit, sich selbst 20 Elektroschocks zu verpassen – um dem anderen diese Behandlung widerfahren zu lassen, musste der Anreiz hingegen bei 10£ liegen.
“Wir haben auch die Bedenkzeit der Probanden erfasst, und festgestellt, dass sie länger zögerten, wenn die Entscheidung zum Schaden anderer führen würde”, berichtet Crockett. „Die ausgesprochen altruistischen Teilnehmer nahmen sich dabei die meiste Zeit, was darauf hindeutet, dass ihnen moralische Gedanken durch den Kopf gingen. Die besonders egoistischen Probanden entschieden über das Schicksal der anderen hingegen schnell, was einen Mangel an Gedanken über die moralische Verantwortung hinweisen könnte”, so die Forscherin.
Überraschend altruistisch – aber kontextabhängig
„Die Ergebnisse widersprechen nicht nur klassischen Annahmen zum menschlichen Egoismus, sondern auch Ansichten zum Altruismus”, sagt Crockett. „Denn aktuelle Theorien besagen, dass Menschen Interessen anderer zwar bis zu einem gewissen Grad respektieren, aber nie mehr als ihre eigenen. Wir haben nun allerdings gezeigt, dass die meisten Menschen andere durchaus vor sich selbst stellen – und zwar wenn es um Schaden geht: Menschen profitieren lieber von ihrem eigenen Schmerz als von dem eines anderen”, resümiert Crockett.





