Vögel mit einem größeren Hippocampus, einer Gehirnregion die mit Gedächtnis und Lernen in Verbindung gebracht wird, können sich länger an Orte erinnern, als Vögel mit einem kleineren Hippocampus. In der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences berichten Robert Biegler von der Norwegian University of Science and Technology und seine Kollegen über ihre Untersuchungen.
Laut Biegler kann diese Entdeckung helfen, auch die Evolution von Lernen und Gedächtnis im menschlichen Gehirn aufzuklären: “Um die menschliche Kognition verstehen zu können, muss man erst die Evolution des Denkens verstehen, und das ist nur durch vergleichende Studien möglich. Die Vögel, die ich studiere, scheinen für die Entwicklung des räumlichen Gedächtnisses interessant zu sein.” Eine ältere Studie mit Londoner Taxifahrern hatte bereits gezeigt, dass besseres räumliches Lernen und eine gutes räumliches Gedächtnis mit einem größeren Hippocampus in Verbindung stehen.
In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Universitäten Edinburg, Cardiff und Oxford in Großbritannien untersuchte Biegler die Erinnerungen von Kohlmeisen und einer anderen Meisenart. Kohlmeisen sammeln und horten ihre Nahrung und haben im Vergleich zu der anderen Meisenart, die ihre Nahrung nicht bunkert, einen großen Hippocampus. Das Ziel der Forscher war es herauszufinden, welcher Aspekt bei der Gedächtnisbildung von einem erweiterten Hippocampus profitiert.
Dabei kamen sie zu folgendem Ergebnis: Beide Vogelarten erinnern sich gleich gut an eine Anzahl von Gegenständen. Ebenso halten beide zwei unterschiedliche Standorte auseinander. Die Kohlmeisen konnten sich jedoch an unterschiedliche Dinge deutlich länger erinnern. Die Vögel mit dem größeren Hippocampus scheinen ein dauerhafteres Gedächtnis zu haben, unterscheiden sich aber sonst in keinem anderen wichtigem Parameter von der andern Meisenart. Dies würde auch Sinn machen, da die Kohlmeisen ihre Nahrungsquellen nicht so oft aufsuchen und ihre Erinnerung nicht dauernd auffrischen können.
Jedoch gibt Biegler zu, dass diese Studie nicht viel mit der über die Taxifahrer gemein hat: “Ich glaube aber, dass die Vorteile, die die Taxifahrer durch einen größeren Hippocampus hatten, andere waren, als die der Kohlmeisen gegenüber den anderen Meisen.
Nicole Waschke





