Mithilfe einer neuen Anwendung der Magnetresonanz-Technik können Ärzte dem Blut künftig beim Fließen zuschauen: Die von amerikanischen Medizinern entwickelte Methode eröffnet die Möglichkeit, den Blutfluss ohne einen Eingriff in den Körper oder die Verwendung von Kontrastmitteln und Strahlung live zu beobachten. Robert Judd von der Duke-Universität in Durham und seine Kollegen schildern ihre Technik in der Fachzeitschrift Nature Medicine (Online-Vorabveröffentlichung, doi:10.1038/nm1027).
Bei einer Magnetresonanz-Tomographie (MRT) wird den Kernen der Wasserstoffatome des im Gewebe enthaltenen Wassers durch ein starkes Magnetfeld eine bestimmte Ausrichtung aufgezwungen. Wenn sie danach wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückfallen, geben die Teilchen typische Signale ab, die von dem Gerät aufgezeichnet werden. Diese Signatur hängt unmittelbar von der Art des untersuchten Gewebes ab. Dadurch werden unterschiedliche Gewebe schließlich unterschiedlich abgebildet.
Die neue Technik, die von den Wissenschaftlern GCFP (global coherent free precession) genannt wurde, erlaubt es nun, einzelne Protonen im Wasser von Blutzellen gezielt zu erfassen und zu verfolgen, während sie durch den Aufnahmebereich des Tomographen fließen. Da sich das umliegende Gewebe jedoch nicht bewegt, wird dieses nicht erfasst und die entstehenden Aufnahmen zeigen einzig und allein das fließende Blut.
Bisher haben die Mediziner mit der Technik, die sie in Zukunft weiter verfeinern möchten, den Blutfluss in der Halsschlagader beobachtet. GCFP erkennt sowohl die Richtung als auch die Stärke des Blutflusses. Die neue Methode benötigt keine neuen Geräte, sondern beruht allein auf einer erweiterten Anwendungsmöglichkeit. Daher kann sie problemlos mit bereits vorhandenen Magnetresonanz-Tomographen eingesetzt werden, sagen die Mediziner.
Bisherige nicht-invasive Methoden zur Untersuchung des Blutflusses benötigen Röntgenstrahlung und Injektionen von Kontrastmitteln, die häufig unerwünschte Nebenwirkungen haben oder nicht gut vertragen werden. Dabei werden mehrere Röntgenaufnahmen gemacht, die ein Computer zu einem kurzen Film zusammenrechnet.
ddp/bdw ? Cornelia Pfaff





