Jetzt könnte ein 2015 im Süden Chiles entdecktes Fossil diesen neuen Stammbaum der Dinosaurier stützen – und sich als entscheidendes Bindeglied in der Evolution der Urzeit-Echsen erweisen. Der Chilesaurus lebte vor rund 150 Millionen Jahren und war offenbar ein Pflanzenfresser, wie seine großen, flachen Zähne belegen. Gleichzeitig jedoch ähnelt dieser Dinosaurier in verblüffend vielen Merkmalen den räuberischen Theropoden. “Der Chilesaurus sieht fast aus, als wäre er aus verschiedenen Tieren zusammengeflickt”, erläutert Baron. In welche Gruppe der Dinosaurier dieses Fossil gehört, blieb daher unklar. Frühere Studien ordneten es unter Vorbehalt den frühen Theropoden zu. Ob diese Einordnung stimmt, haben Baron und seine Kollegen nun genauer überprüft. Sie verglichen 457 Merkmale des Chilesaurus mit denen von 76 anderen Dinosaurierarten.
Zwischen Ornithischia und Theropoden
“Die Ergebnisse unserer Analyse deuten darauf hin, dass Chilesaurus kein Theropode war, sondern ein Mitglied einer frühen und bisher unbekannten Linie von Vogelbecken-Dinosauriern”, berichten die Forscher. Das Fossil könnte damit nahe am Scheidepunkt dieser beiden Dinosauriergruppen stehen – und so wertvolle Hinweise auf die Evolution der Theropoden und Ornithischia liefern. So besaß Chilesaurus bereits das typische, geräumige Becken der Pflanzenfresser, hatte aber noch nicht ihren schnabelartigen, harten Kiefer. “Dies zeigt, dass die Vogelbecken-Dinosaurier offenbar zuerst ihren großen Magen- und Darmtrakt entwickelten”, sagt Baron. “Ihre Kiefer dagegen passten sich erst später vollständig an die pflanzliche Nahrung an.” Gleichzeitig lief Chilesaurus aber wie die Theropoden auf seinen kräftigen Hinterbeinen und auch seine Kopfform erinnert eher an die Raubdinosaurier als an die pflanzenfressenden Ornithischia.
Nach Ansicht der Paläontologen könnte Chilesaurus damit eine Art Missing Link der Dinosaurier-Evolution darstellen – eine Urzeit-Echse, die dem letzten gemeinsamen Vorfahren von Theropoden und Vogelbecken-Dinosauriern noch sehr nahesteht. “Vorher kannten wir keine Übergangsformen zwischen diesen Gruppen”, sagt Baron. “Doch die ungewöhnliche Mischung der Merkmale positioniert Chilesaurus an eine Schlüsselposition in der Dinosaurier-Evolution.” Seine Entdeckung trage dazu bei, eine der großen Trennungen der Dinosaurier-Großgruppen näher zu beleuchten. Die Forscher vermuten, dass es im Späten Jura noch weitere solcher Übergangsformen gegeben haben könnte. “Sollte diese Hypothese stimmen, dann warten noch weitere, ähnliche Dinosaurierformen auf ihre Entdeckung”, so Baron und seine Kollegen.





