Die langhalsigen Sauropoden brachten die größten und schwersten Landtiere hervor, die je auf unsere Planeten gelebt haben. Zu diesen großen, vierbeinig laufenden Pflanzenfressern gehörten so bekannte Vertreter wie Brachiosaurus, Diplodocus oder die Titanosaurier. Sie entwickelten sich aus kleineren Vorfahren, den Sauropodomorpha, die sich in der späten Trias entwickelten. Einige dieser vor mehr als 200 Millionen Jahren lebenden Sauropoden-Vorfahren kamen auch im Gebiet des heutigen Mitteleuropas vor. Viele dieser Fossilien wurden bisher der Gattung Plateosaurus zugeordnet – einem zweibeinig laufenden Pflanzenfresser mit kleinem Schädel, langem Hals und einer Greifhand mit vergrößerter Daumenkralle.
Neuer Blick auf Fossil eines Sauropoden-Vorfahren
Auch ein Großteil der Dinosaurier-Fossilien, die schon ab dem 19. Jahrhundert in Fundstätten an der Schwäbischen Alb entdeckt wurden, galten bislang als Plateosaurier. In jüngster Zeit haben allerdings einige neue Funde sowie Re-Analysen älterer Fossilien Zweifel an der bisherigen Klassifikation geweckt. In einem groß angelegten Projekt haben die Paläontologen Omar Rafael Regalado Fernandez und Ingmar Werneburg von der Universität Tübingen daher noch einmal sämtliche in der Paläontologischen Sammlung in Tübingen gelagerten Knochen von Dinosauriern aus der späten Trias noch einmal neu untersucht. Darunter war auch ein Teilskelett, das 1922 in einem Steinbruch in Trossingen gefunden worden war. Die fossilen Knochen stammen von der hinteren Körperhälfte eines Dinosauriers, der bisher als Plateosaurus pliengeri eingeordnet wurde und vor 203 bis 211 Millionen Jahren lebte.
Bei der erneuten Analyse dieses Dinosaurier-Fossils stellten Regalado Fernandez und Werneburg fest, dass viele seiner Knochen nicht denen eines typischen Plateosauriers entsprachen. So wies das Teilskelett unter anderem eine breitere und kräftiger gebaute Hüfte mit verschmolzenen Kreuzbeinwirbeln sowie ungewöhnlich große und robuste Langknochen auf. Dies spricht dafür, dass sich dieses Tier auf vier Beinen fortbewegte, statt wie die Plateosaurier nur auf den beiden Hinterbeinen, wie die Paläontologen erklären. Ein weiterer Unterschied zeigte sich bei der Analyse der Knochenstruktur: Tuebingosaurus wuchs nicht kontinuierlich wie der Plateosaurus, sondern durchlebte schnelle Wachstumsschübe, die von Wachstumspausen unterbrochen waren. „Das rechtfertigt es, Tuebingosaurus und Plateosaurus als zwei verschiedene Arten zu betrachten“, erklärt Regalado Fernandez.





