Die Sterblichkeit nach einen Herzinfarkt könnte mit einer derzeit in Berlin erprobten Kombinationstherapie erheblich gesenkt werden. Die Neuerung besteht darin, drei verschiedene blutverdünnende Medikamente sofort nach Eintreffen des Notarztes zu geben, erläuterte am Dienstag in Berlin Franz-Xaver Kleber vom Unfallkrankenhaus Berlin (UKB). Die Rate der Todesfälle von Herzinfarktpatienten im Krankenhaus sei in einem Versuch mit 225 Patienten an seiner Klinik von bundesweit zehn bis 15 Prozent auf unter drei Prozent gesenkt worden.
Jochen Senges vom Herzzentrum Ludwigshafen betonte auf der gleichen Veranstaltung, “das Berliner Forschungsvorhaben ist noch keine Leitlinie und noch nicht Standard in der Herzinfarktbehandlung”. Auch die Kosten allein für die Medikamente von 3.000 Mark pro Patient sprächen gegen eine rasche Einführung und Verbreitung der Berliner Methode, sagte Senges. Der klinikeigene Notarzt hatte sofort nach Eintreffen und der Diagnose Herzinfarkt drei Medikamente injiziert: ein Blutgerinnsel-Auflöser (Thrombolyse), ein Medikament zur Verhinderung weiterer Blutplättchenverklumpung sowie Aspirin.
Senges, der gleichzeitig Leiter des Deutschen Herzinfarkt- Registers ist, betreute eine weitere, größere Studie zur “maximalen individuellen Therapie bei akutem Myokardinfarkt”, abgekürzt Mitra. Zwischen 1994/95 und 2000/2001 konnte in diesem Versuch mit 53.800 Patienten die Krankenhaussterblichkeit von 16 auf zehn Prozent und die Verweildauer von 21 auf zwölf Tage gesenkt werden. Auch bei Mitra wurden die drei Medikamente mit einer operativen Öffnung des verschlossenen Herzblutgefäßes kombiniert.
“Wir haben den Einsatz der Medikamente auf den frühestmöglichen Zeitpunkt vorgeschoben und die Gefäßöffnung im Krankenhaus bei Bedarf sofort angeschlossen”, erläuterte Kleber den Unterschied zu Mitra. Bei leichteren Infarkten habe die Liegezeit nur noch drei Tage betragen. “Der neue Therapieplan ist sehr vielversprechend”, sagte Senges, “doch wäre es unrealistisch anzunehmen, man könnte die Sterblichkeit im Krankenhaus für alle Herzinfarktpatienten auf unter drei Prozent und die Liegezeit auf drei Tage senken.”
Bei Druck im Brustkorb länger als 20 Minuten bestehe der Verdacht auf Herzinfarkt, sagten die beiden Ärzte. In diesem Fall sollte sofort der Notarzt gerufen werden, besonders bei Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes, hohem Cholesterinwert und familiärer Häufung von Herzinfarkten. Bis der Arzt eintreffe, könne schon eine Aspirin eingenommen werden.
In Deutschland erleiden jährlich rund 300.000 Menschen einen Herzinfarkt, daran sterben insgesamt 82.000. Etwa die Hälfte davon stirbt sofort, weitere 30 Prozent während der Fahrt zum Krankenhaus, zehn bis 15 Prozent im Krankenhaus und fünf Prozent im ersten Jahr nach Entlassung.
dpa





