Das Autorenteam um George A. Ricaurte hat seinen im September 2002 in der renommierten Fachzeitschrift “Science” (Bd. 297, S. 2269) erschienenen Artikel zurückgezogen ( wissenschaft.de berichtete). Darin hatten die Forscher behauptet, selbst geringe Mengen der Modedroge Ecstasy könnten langfristig ernsthafte Schäden im Gehirn verursachen. Folgen seien unkontrollierte Bewegungen und starkes Zittern, Symptome, die auch bei der Parkinsonkrankheit auftreten.
In einem ebenfalls in “Science” veröffentlichten Widerruf erklären die Forscher nun, sie hätten ihren Versuchstieren versehentlich nicht den Ecstasy-Wirkstoff MDMA, sondern so genannte Methamphetamine ? besser bekannt als “Speed” ? verabreicht. Die Verwechslung fiel den Wissenschaftlern auf, als es ihnen nicht gelang, einige der Basisexperimente zu reproduzieren. Eine weitere Überprüfung ergab, dass die Substanzen nicht im Labor vertauscht wurden, sondern bereits in falsch ausgezeichneten Behältern geliefert worden waren.
Die Ergebnisse der amerikanischen Wissenschaftler waren bereits kurz nach ihrer Veröffentlichung sehr kontrovers diskutiert worden. Daher können einige Kollegen von Ricaurte auch nicht verstehen, wie der Fehler so lange unentdeckt bleiben konnte. Schon das allgemein bekannte Hintergrundwissen hätte den Autoren zeigen müssen, wie unerwartet ihre Ergebnisse waren, schreibt der Online-Dienst des Wissenschaftsmagazins “New Scientist” in einem Kommentar. Gerade solche ungewöhnlichen Befunde müssten besonders sorgfältig überprüft werden.
Ilka Lehnen-Beyel





