Wissenschaftler am University of Pennsylvania Medical Center haben die molekularen Mechanismen, die bei einem Schädeltrauma zu langfristigen Problemen wie Gedächtnisfunktionsstörungen oder Konzentrationsschwierigkeiten führen, aufgedeckt. Über ihre Ergebnisse berichten die Forscher im Journal of Neuroscience .
Eine erste Reaktion auf ein Schädeltrauma ist eine Flut von Calciumionen. Diese überschwemmen die in Folge des Traumas gedehnten Axone ? die “Verbindungskabel” zwischen den Nervenzellen ? und dringen in sie ein.
Schon früher haben Forscher postuliert, dass ein Calciumeintritt in die beschädigten Axone der Anfang des fortschreitenden Schadens war. In der aktuellen Studie haben sie den Mechanismus dieses Calciumeintritts entdeckt. “Es scheint, dass durch die physikalische Bewegung Proteine, die als Pforte auf der Axon-Membran sitzen und den Ionendurchtritt kontrollieren, reißen und so offen sind für die Ionen,” erklärt Douglas Smith vom Penn Department of Neurosurgery.
Überraschenderweise sind die geöffneten Kanäle aber nicht für Calciumionen, sondern für Natriumionen durchlässig. “Es ist der rasche Durchfluss von Natriumionen durch die beschädigten Kanäle, der einen nachfolgenden Zustrom von Calciumionen hervorruft,” sagte Smith. “Mit diesem Wissen können wir Therapien ausarbeiten, die die Natriumkanäle blockieren.”
Eine frühe Behandlung der Natriumkanäle ist kritisch. “Es kann Stunden, sogar Monate dauern, bis nach einer Kopfverletzung mit Schädeltrauma der Schaden an den Axonen so groß ist, dass die Neurone nicht mehr funktionieren,” sagte Smith. “Es gibt gegenwärtig keine Möglichkeit, den verzögerte Langzeitschaden eines Schädeltraumas zu stoppen, aber wir sind überzeugt, dass wir den Prozess verlangsamen und eventuell sogar aufhalten können.”
Nicole Waschke





