Bisher hatten Wohnungsmieter nur begrenzte Möglichkeiten, Solarstrom zu erzeugen: Zieht der Vermieter mit, kann ein sogenanntes Mieterstrom-Modell die Sonnenenergie auf dem Hausdach nutzbar machen. Doch ist das nicht der Fall, dann standen Mieter bisher auf dem Schlauch. Das könnten jedoch Mini-Solarmodule für den Balkon oder die Terrasse ändern.
Einfach Stecker rein und los
Solche Mini-Solaranlagen werden mit einem Stecker in die Steckdose gesteckt und speisen dann Strom mit bis zu 150 Watt Spitzenleistung ins Wohnungsnetz. Das Mini-Kraftwerk liefert nach Angben von Greenpeace Energy genug Strom, um täglich ein Mittagessen für zwei Personen zu kochen, eine Ladung Wäsche zu waschen oder 35 Tassen Kaffee zuzubereiten. Weil sich Strom den kürzesten Weg sucht, fließt der Strom des Solarmoduls von der Steckdose über die hauseigenen Stromleitungen direkt in die einzelnen Elektrogeräte wie Waschmaschine, Geschirrspüler, Kühlschrank oder Computer.
“Wenn die Nutzung unkompliziert möglich ist, könnten allein in Deutschland mehrere Gigawatt an Stecker-Solar-Geräten installiert werden”, erklärt Marcus Vietzke von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) in Berlin. Denn durch die Installation eines solchen Solarpanels auf einem Südbalkon kann ein Mieter fünf Prozent und mehr beim Stromverbrauch einsparen. Die dezentrale Stromproduktion aus Sonnenenergie trägt damit dazu bei, klimaschädliche Emissionen beispielsweise aus Kohlekraftwerken zu senken und reduziert zugleich die Kosten für den Ausbau der Energienetze.
Blockade bei deutschen Stromnetzbetreibern
In den Niederlanden nutzen bereits rund 200.000 Haushalte solche kleinen Solaranlagen. In Österreich hat das von der oekostrom AG produzierte Mini-Solarmodul “simon” den Klimaschutzpreis 2016 gewonnen. Doch in Deutschland erschweren bisher technische Normen und gesetzliche Regeln den Einsatz solcher Module. Einer der Gründe: Stecker und Wechselrichter der Anlage müssen bestimmte Anforderungen erfüllen, zudem muss eine automatische Schnellabschaltung im Falle eines Fehlers oder einer Überlastung des Netzes erfolgen.
Die Innogy-Tochter Westnetz hatte aus diesen Gründen vor Kurzem den Anschluss eines Solarmoduls des Typs simon mit 150 Watt Spitzenleistung blockiert. In Briefen an die Kundin wurde auf die Gefahren der Einspeisung hingewiesen. Doch wie Greenpeace Energiy berichtet, erfüllt das simon-Modul die technischen Anforderungen – dafür gebe es Gutachten. Um den Einsatz der Mini-Solaranlage durchzusetzen regte Greenpeace Energy ein Verfahren gegen Westnetz vor der Bundesnetzagentur an.





